Offensive gegen Aufständische: Operation Quetschkommode - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Offensive gegen Aufständische Operation Quetschkommode

Mit vier Armee- und drei Polizeibataillonen, unterstützt von US-Streitkräften, schwärmten die irakischen Sicherheitskräfte aus. Resultat ihrer massiven "Operation Squeeze Play" gegen Aufständische: Sie nahmen bei der bisher größten gemeinsamen Offensive 285 Verdächtige fest.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bagdad - Die Offensive im Bezirk Abu Ghureib westlich von Bagdad ziele darauf ab, die Zahl der Autobombenanschläge in der Hauptstadt zu verringern, teilte die US-Armee mit. Die Festgenommenen seien allesamt Iraker, verlautete aus dem irakischen Verteidigungsministerium.

An der "Operation Squeeze Play" (Operation Ausquetsch-Spiel) waren nach US-Angaben vier Bataillone der irakischen Armee und drei irakische Polizeibataillone beteiligt, die von US-Soldaten unterstützt wurden - ein Bataillon besteht für gewöhnlich aus 300 bis 400 Soldaten. Geführt wurde der Einsatz von den Irakern. Das Einsatzgebiet umfasste eine als "Todespiste" bezeichnete zwölf Kilometer lange Strecke von der Bagdader Innenstadt zum Flughafen, wo immer wieder US-Militärkonvois, ausländische Vertragspartner und Journalisten angegriffen werden.

Trotz der Großoffensive gegen Aufständische riss die Welle der Gewalt nicht ab: Bei zwei Autobombenanschlägen im Nordirak kamen zahlreiche Menschen ums Leben. Ärzte sprachen von 30 Toten und 10 Verletzten. Die Bomben seien im Abstand von fünf Minuten in der Stadt Tel Afar - rund 60 Kilometer nord-westlich von Mossul - vor dem Haus eines turkmenischen Stammesführers explodiert, berichtete die Polizei. Sie vermutet, dass die Taten keinen politischen Hintergrund haben, sondern ein Stammeskonflikt der Hintergrund ist. Tel Afar wird mehrheitlich von Turkmenen bewohnt.Das Haus des Stammesführers war zuvor mit Handgranaten angegriffen worden, wobei einer der Söhne des Mannes starb. Bei einem Granatenangriff in Kirkuk starben zwei weitere Menschen.

Im Bagdader Stadtviertel Mansur erschossen Unbekannte einen ranghohen Sicherheitsbeauftragten der irakischen Regierung und dessen Fahrer. Bei einem Autobombenanschlag im Bagdader Stadtviertel Dschamila waren nach Angaben des Innenministeriums zuvor mindestens acht Menschen getötet worden. Weitere 107 Menschen wurden verletzt, als die Bombe vor einem stark frequentierten Lokal explodierte. 15 in der Nähe stehende Fahrzeuge wurden vollkommen zerstört. Der Anschlag ereignete sich zu einem Zeitpunkt, als viele Arbeiter aus dem angrenzenden Industriegebiet ihre Mittagspause machten. Seit Anfang Mai starben bei 70 Autobombenanschlägen in Bagdad und Umgebung bereits mehr als 400 Menschen.

Drei rumänische Journalisten, die Ende März in Bagdad verschleppt worden waren, kehrten unterdessen in ihre Heimat zurück. Die Fernsehreporterin Marie Jeanne Ion, ihr Kameramann Sorin Miscoci und der Zeitungskorrespondent Eduard Ohanesian waren gestern freigekommen. Ihre Entführer hatten den Abzug der rumänischen Truppen aus dem Irak gefordert.

Bei einer Durchsuchung in der Bagdader Innenstadt beschlagnahmte die US-Armee sechs Millionen Dollar (4,8 Millionen Euro). Woher die 100-Dollar-Scheine stammten, war nach den Worten eines Armeesprechers nicht bekannt. Zwei Verdächtige wurden bei dem Einsatz festgenommen.

Mehr lesen über