Offensive US-Truppen stürmen Westen Falludschas
Bagdad - Die US-Einheiten stürmten mehrere Bezirke im Westen der Stadt und brachten das Krankenhaus und zwei Brücken über den Euphrat unter ihre Kontrolle. Der Leiter des Krankenhauses, Salih al-Issawi, bat die Soldaten nach eigenen Angaben, Rettungskräften den Zugang zum Zentrum Falludschas zu gewähren, um Verwundete zu versorgen. Dies sei jedoch abgelehnt worden. Von den Streitkräften lag zunächst keine Stellungnahme vor. Nachdem die US-Truppen die Gegend abgeriegelt hatten, trafen mehrere hundert irakische Soldaten im Krankenhaus ein. Rund 50 Männer wurden in der Klinik festgenommen, etwa die Hälfte von ihnen wurde nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß gesetzt.
In Falludscha verstecken sich Schätzungen zufolge zwischen 1000 und 6000 bewaffnete Aufständische. Rund 10.000 US-Soldaten schnitten die Stadt gestern Abend von der Außenwelt ab und warteten zunächst auf einen Befehl des irakischen Übergangsministerpräsidenten Ijad Alawi zur Stürmung. Nach einer neuen Welle der Gewalt, der am Wochenende mehr als 50 Menschen zum Opfer fielen, hat die irakische Regierung inzwischen den Ausnahmezustand verhängt.
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Die Terrorgruppe um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi bekannte sich in einer im Internet veröffentlichten Erklärung zu den Anschlägen auf Polizeistationen in den Städten Haklanija und Haditha nordwestlich von Bagdad. Dort wurden gestern 22 Polizisten getötet.
Das als "Stadt der Moscheen" bekannte Falludscha hatte vor dem Krieg mehr als 300.000 Einwohner. Ein Sprecher des US-Militärs sagte Ende Oktober, es hielten sich noch etwa 50.000 bis 60.000 Menschen dort auf. Die USA hatten bereits im April eine Offensive gegen Aufständische in der Stadt gestartet. Die von den USA eingesetzte Falludscha-Brigade, die die Kontrolle nach dem Abzug der US-Armee ausüben sollte, verlor bis Juli jedoch wieder die Macht an Rebellengruppen.
Unterdessen forderte der stellvertretende Union-Fraktionschef Wolfgang Schäuble (CDU) eine Teilnahme Deutschlands bei Ausbildungseinsätzen der Nato im Irak. "Die Nato hat beschlossen, die Ausbildung der irakischen Sicherheitskräfte im Land als Nato-Aufgabe zu übernehmen", sagte Schäuble der "Financial Times Deutschland". "Deutsche Soldaten aus integrierten Stäben der Nato zurückzuziehen ist Gift für die atlantische Partnerschaft. Das ist genau das, was Multilateralismus nicht stärkt, sondern schwächt."
Die Nato-Mitgliedstaaten hatten sich Ende September im Grundsatz auf eine Erweiterung des Trainingseinsatzes im Irak geeinigt. Deutschland will sich daran mit der Lieferung von Lastwagen und der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte in den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligen.