Osteuropa Der Fall der Diktatoren
Die "Reformländer" Ungarn, Sowjetunion und Polen leiteten den Umsturz im Ostblock ein. Veränderungen kamen hier von innen. In Polen war die Opposition unter der Führung der Gewerkschaft Solidarnosc seit 1980 aktiv, im Sommer 1989 bildete sie nach den ersten freien Wahlen eine Koalitionsregierung mit der kommunistischen PVAP - unter Führung des Antikommunisten Mazowiecki. Der alte starke Mann, General Jaruzelski, blieb Staatspräsident, trat aber Ende 1990 zurück.
In der Sowjetunion hatte Michail Gorbatschow Mitte der achtziger Jahre "Perestroika" und "Glasnost" eingeführt. Nach dem Putsch einiger konservativer Kommunisten am 19. August 1991 trat Gorbatschow als Generalsekretär der Kommunistischen Partei zurück. Neuer starker Mann wurde Russlands Präsident Boris Jelzin, der an der Niederschlagung des Putsches maßgeblich beteiligt war und die Reformen weiterführte.
In Ungarn entschied die Führung im Februar 1989, ein Mehrparteiensystem einzuführen. Mit der Entscheidung, die Grenze nach Österreich zu öffnen, leitete die ungarische Führung im September den Massenexodus gen Westen ein. Verhandlungen mit der Opposition am Runden Tisch führten zu den ersten freien Wahlen im März 1990.
In den anderen Ostblockländern hatten die Betonköpfe bis zum Umsturz scheinbar alles im Griff. Doch was in den Pionierländern Jahre gedauert hatte, passierte hier innerhalb weniger Wochen oder sogar Tage. In der DDR feierte die Parteiführung noch am 7. Oktober 1989 den 40. Jahrestag des Staates. Angesichts der Massenauswanderung über die "Grüne Grenze" und immer größeren Demonstrationen trat Staats- und Parteichef Erich Honecker am 18. Oktober schließlich zurück.
In Bulgarien regierte seit Jahrzehnten Todor Schiwkoff als Parteichef und Vorsitzender des Staatsrates. Unter dem Eindruck der Wende in den Nachbarstaaten wurde er im November 1989 gestürzt. Die KP einigte sich Anfang 1990 mit der Opposition auf einen Runden Tisch. Die Gespräche führten zu den ersten freien Wahlen im Juni 1990, bei denen die Nachfolgepartei der KP die absolute Mehrheit errang. Neuer Ministerpräsident wurde im Dezember 1990 der parteilose Popow. Bei den zweiten Wahlen im Oktober 1991 gewann das Bündnis der Opposition.
In der Tschechoslowakei wurde die 14-köpfige Parteiführung um Milos Jakes am 24. November 1989 vom ZK einfach gefeuert. So radikal war die alte Garde nirgendwo ausgewechselt worden. Vorangegangen waren die Demonstrationen Hunderttausender. Der Bürgerrechtler Vaclav Havel wurde am 29. Dezember zum Präsidenten ernannt.
Die Rumänen waren im Dezember 1989 die letzten, die ihre Partei- und Staatsführung vertrieben. Nicolae Ceausescu ging als einziger der osteuropäischen Diktatoren nicht ohne Blutvergießen. Auslöser waren die Ereignisse am 16. Dezember 1989: Tausende Menschen versammelten sich in Temesvar, um gegen die Abschiebung des Pfarrers Tökes zu protestieren. Ceausescu schickte seine Sicherheitstruppe Securitate, um den Aufstand niederzuschlagen. Die Proteste weiteten sich aus, eine Woche später wurde Ceausescu gestürzt. Am ersten Weihnachtsfeiertag wurden er und seine Frau von einem Militärgericht wegen Völkermords zum Tode verurteilt und erschossen.