Osttimor Unruhen weiten sich aus
Neue Gefechte zwischen entlassenen Soldaten und den Streitkräften haben am Donnerstag in Osttimor mindestens drei Menschen das Leben gekostet. In der Hauptstadt Dili wurde ein Hauptmann erschossen, wie ein Militärsprecher mitteilte. Außerdem wurden zwei entlassene Soldaten getötet, 14 weitere erlitten Verletzungen. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer in dieser Woche auf fünf.
Nach Angaben eines Sprechers von Staatschef Xanana Gusmao ereigneten sich die Vorfälle in der Stadt Liquica westlich der Hauptstadt Dili. Auch in Dili selbst gab es nahe dem Präsidentenpalast heftige Schusswechsel zwischen den verfeindeten Gruppen. Dabei wurde nach Angaben der südkoreanischen Botschaft ein Südkoreaner verletzt. Die Anwohner ergriffen die Flucht.
Gleichzeitig griffen mit Macheten und Steinen bewaffnete Jugendbanden Autos an, die zwischen Dili und dem Flughafen der Stadt unterwegs waren. Über der Stadt stehe Rauch, mehrere Häuser seien niedergebrannt, berichteten Augenzeugen dem australischen Nachrichtensender ABC. Die Kämpfe hätten sich über die ganze Stadt ausgebreitet, sagte eine in Dili lebende Australierin. Die Lage sei "sehr schlimm".
Die Regierung bat wegen der zunehmenden Spannungen das Ausland um Hilfe. Australiens Regierungschef John Howard kündigte im Parlament an, dass am Donnnerstagnachmittag ein Voraustrupp von 150 australischen Elitesoldaten in Dili eintreffen werde. Sie würden von Blackhawk-Hubschraubern und C-130-Hercules-Flugzeugen unterstützt, sagte er. Aufgabe der Militäraktion sei es, rund um den internationalen Flughafen von Dili einen "Sicherheitsbereich" zu schaffen. Die australische Regierung hatte am Mittwoch beschlossen, 1300 Soldaten, Kriegsschiffe und Hubschrauber nach Osttimor zu entsenden. Neuseeland schickte am Mittwoch bereits die ersten Polizisten und Soldaten. Auch die ehemalige Kolonialmacht Portugal hat Unterstützung zugesagt.
Der UN-Sicherheitsrat äußerte sich besorgt über die Lage in Osttimor und rief "alle beteiligten Parteien" zur Beendigung der Gewalt auf. Alle Beteiligten müssten sich an einem demokratischen Prozess beteiligen, die Menschenrechte achten und von jeglichen Einschüchterungsmaßnahmen absehen.
Auslöser der Gewalt war im April die Entlassung von 600 Soldaten, einem Drittel des gesamten Heeres. Sie waren zuvor in den Streik getreten. Sie werfen der Regierung Diskriminierung vor, da sie angeblich wegen ihrer Herkunft aus dem Westen des Landes bei Beförderungen übergangen worden seien. Bei Protesten gegen die Entlassung waren mindestens fünf Menschen getötet und dutzende Häuser zerstört worden.
Indonesien war 1975 in Osttimor, einer früheren portugiesischen Kolonie, einmarschiert und hatte das Inselgebiet annektiert. 1999 stimmte die Bevölkerung für die Unabhängigkeit. Indonesische Truppen und Jakarta treue Milizen unterdrückten die Unabhängigkeitsbestrebungen mit brutaler Gewalt. Dabei starben schätzungsweise 1000 Menschen. Bis zur Eigenständigkeit 2002 wurde Osttimor von den UN verwaltet.
cpa/afp/dpa