Pakistan Verbündeter in Nöten
Islamabad - Pakistans Militärmachthaber General Pervez Musharraf wünscht sich einen Konflikt von kurzer Dauer, der von raschen Wiederaufbauhilfen für das Nachbarland abgelöst werden müsse. "Ich hoffe nur, dass es nicht Monate oder Jahre dauert, und das die Aktionen, wie auch immer sie aussehen werden, sehr, sehr kurz andauern werden und dass ein Wiederaufbauprogramm für dieses kriegsgebeutelte Land folgt", sagte Musharraf der BBC.
Je länger die möglichen Angriffe auf das Nachbarland andauern, desto schwieriger wird auch die Position des Regierungschefs, der wegen der Unterstützung der USA innenpolitisch unter Druck steht. Am Dienstag demonstrierten in Quetta Anhänger der Taliban gegen die USA, den afghanischen Ex-König Zahir Schah und Musharraf. Radikale Moslems verbrannten Puppen, die den US-Präsidenten George W. Bush und Zahir Schah darstellten, sowie US-Flaggen.
Sollte es zu US-Angriffen auf Afghanistan kommen, werden sich die Proteste wohl noch weiter intensivieren. Er sei sich aber sicher, dass seine Regierung etwaige Proteste in Pakistan kontrollieren könne, sagte Musharraf. "Ich glaube, dass die Pakistanis verstanden haben, dass (die Bereitstellung logistischer Hilfe an die USA) in ihrem Interesse ist".
Gleichzeitig kritisierte Musharraf jedoch die westliche Unterstützung für die Nordallianz, die einzig verbliebene Opposition der Taliban. "Eine einseitige Unstützung der Nordallianz ... wäre falsch. ...Wir wollen natürlich ein uns freundlich gestimmtes Afghanistan an unserer Westgrenze haben und keinen Feind", sagte Musharraf.
Der Wunsch nach geordneten Verhältnissen in Afghanistan war eines der Hauptmotive für die massive Unterstützung der Taliban durch Pakistan. Man wollte sich zumindest den Rücken frei halten. Denn zu Osten hin grenzt das muslimische Land an Indien, mit dem es sich seit 1947 drei Mal im Krieg befand. Im Konflikt um die Region Kaschmir unterstützt Pakistan muslimische Rebellen im Kampf gegen die indischen Behörden.
Verbündete der Nordallianz
Indien gehört neben Russland und Iran zu den Unterstützern der Nordallianz. Die Nordallianz spielt auch in den Planungen der US-Regierung eine große Rolle.
Während die Nordallianz, die den Taliban Widerstand leistet, die Volksgruppen der Tadschiken, Usbeken und Hasara repräsentiert, sind der Ex-König und die Taliban Paschtunen. Sie stellen mit 40 Prozent die größte Volksgruppe Afghanistans.
Die Paschtunen sind auch in den teilweise autonomen pakistanischen Grenzprovinzen zu Afghanistan in der Mehrheit. Viele Taliban-Kämpfer wurden in den Madrassen, den radikalen Koranschulen, ausgebildet. Die radikalen pakistanischen Kleriker unterstützen die Taliban und rufen zum Kampf gegen die USA aus. Vor einigen Moscheen liegen bereits Listen aus, in denen sich Freiwillige zum Kampf melden können.
Auch Ex-General Mirza Aslam Beg, ehemaliger Oberkommandierender der pakistanischen Armee, warnte die USA. "Der Versuch, in Kabul mit Hilfe der Nordallianz eine anti-pakistanische Regierung einzusetzen, wäre ein großer Fehler. Ich kann nur sagen: "Tut das nicht. Das pakistanische Militär und das pakistanische Volk werden dies nicht akzeptieren."
Die USA versuchen nun, Pakistan klare Beweise für die Verantwortung Bin Ladens vorzulegen. Ein Wunsch, der in der pakistanischen Öffentlichkeit vielfach geäußert wurde. Die US-Botschafterin in Pakistan, Wendy Chamberlin, hat am Dienstag Staatschef General Pervez Musharraf über den Stand der Ermittlungen hinsichtlich der Terroranschläge vom 11. September unterrichtet. Aber "detaillierte Informationen über die Verantwortlichen und ihre Beziehungen mit Osama Bin Laden stehen noch aus", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Islamabad. Ein Botschaftssprecher sagte lediglich, Chamberlin habe Musharraf "über die FBI-Ermittlungen" unterrichtet.