Vorfall in Flüchtlingslager Palästinenser lassen Friedensverhandlung platzen
Opfer von Einsatz in Kalandia: Palästinenser sagen Verhandlung ab
Foto: DARREN WHITESIDE/ REUTERSJerusalem/Ramallah - Nach dem Tod von drei Palästinensern bei Zusammenstößen nahe Jerusalem hat die Palästinenserführung offenbar eine neue Verhandlungsrunde mit Israel abgesagt. Die palästinensische Nachrichtenagentur Maan berichtete am Montag, das Treffen sei in Jericho geplant gewesen. Auch die israelische Nachrichtenseite "Ynet" meldete, ein für Montagmittag geplantes Gespräch sei angesichts der blutigen Vorfälle von den Palästinensern abgesagt worden.
Wie ein Sprecher der Palästinenserführung mitteilte, wurde das Treffen "aufgrund der israelischen Verbrechen heute in Kalandia" gestrichen. Im Flüchtlingslager Kalandia nördlich von Jerusalem waren am frühen Morgen nach palästinensischen Angaben bei einem Einsatz von israelischer Armee und Grenzpolizei drei Jugendliche erschossen und etwa zwanzig weitere Menschen verletzt worden.
Demnach war eine israelische Einheit in den frühen Morgenstunden in das Lager gekommen, um einen palästinensischen Aktivisten festzunehmen. Dabei sei es zu Zusammenstößen mit Einwohnern gekommen. Polizeisprecher Micky Rosenfeld sprach von einer Menge von etwa 1500 Palästinensern, die Steine und Brandflaschen auf die Polizeitruppen geworfen hätten.
Die behandelnden Ärzte berichteten, dass in Kalandia, das zwischen dem besetzten Ostjerusalem und Ramallah liegt, zwei Männer im Alter von 30 und 22 Jahren Brustschüsse erlitten. Ein 20-Jähriger starb an schweren Hirnverletzungen. Auch alle Verwundeten hätten Schussverletzungen erlitten, berichtete ein Krankenhaussprecher.
Störmanöver von Israels Wohnungsbauminister
Auch von israelischer Seite kam es zu neuen Störmanövern. Der israelische Wohnungsbauminister Uri Ariel setzte seine Aktionen gegen die Nahost-Friedensgespräche fort. Der israelische Rundfunk meldete am Montag, Ariel habe am Vorabend eine neue Siedlung namens Leschem im Westjordanland eingeweiht. Dort sollten 300 neue Häuser entstehen. Offiziell sei der Ort allerdings als neues Viertel der bestehenden Siedlung Ale Sahav deklariert. Etwa 40 Familien seien bereits in Leschem eingezogen.
Während der Einweihung sagte das Mitglied der Siedlerpartei Das Jüdische Haus den Angaben zufolge: "Wer sich heute hier befindet, versteht, warum die Zwei-Staaten-Lösung nicht realistisch ist." Er gehe nicht davon aus, dass sie jemals umgesetzt werde. Die Palästinenser sehen den israelischen Siedlungsausbau als eines der Haupthindernisse auf dem Weg zu einer Friedensregelung in der Region.