Papst-Enzyklika: Benedikts Prinzip Hoffnung - DER SPIEGEL
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Papst-Enzyklika Benedikts Prinzip Hoffnung

Ihr Inhalt ist noch hochgeheim. Doch morgen wird Papst Benedikt XVI. seine zweite Enzyklika "Spe salvi" veröffentlichen. Dann wird die Christenheit hoffentlich Neues über das Wesen der Hoffnung erfahren.
Von Alexander Schwabe
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Sie wird gehütet wie das dritte Geheimnis von Fatima. Am Freitag Punkt 11.30 Uhr stellen der Dominikaner Kardinal Georges Marie Martin Cottier und der Jesuit Kardinal Albert Vanhoye die zweite Enzyklika Papst Benedikts XVI. "Spe salvi" (Gerettet durch Hoffnung) vor. Erst wenige Stunden zuvor wird es Vorab-Exemplare für akkreditierte Journalisten am Vatikan geben. Bis dahin soll nichts über das päpstliche Rundschreiben nach außen dringen.

Der Papst selber wird bei der Vorstellung nicht dabei sein, heißt es in Rom. Doch die beiden Kleriker sind enge Vertraute Benedikts. Der 85-jährige Schweizer Cottier war von 1989 bis 2003 Generalsekretär der Internationalen Theologischen Kommission im Vatikan. Der 84-jährige Franzose Vanhoye arbeitete in der Glaubenskongregation als Joseph Ratzinger ihr vorstand, etwa ein halbes Jahrhundert forschte er zuvor am päpstlichen Bibelinstitut in Rom und wurde zum Sekretär der Bibelkommission ernannt.

In Kirchenkreisen und unter Vatikan-Experten wird viel darüber spekuliert, was Benedikt während seiner Sommerferien auf 81 Seiten über die Hoffnung niedergeschrieben hat. Der gerade in den Kardinalsrang beförderte Deutsche Paul Josef Cordes erwartet, dass die Enzyklika "den Menschen Geschmack am Leben" geben wird.

Jedes der kurzen Kapitel soll einem Heiligen - Verkörperungen christlicher Hoffnung - gewidmet sein. Angefangen beim Heiligen Augustinus (354-430), Bischof von Hippo Regius, bis zur Heiligen Josephine Bakhita (1869-1947), die in der westsudanesischen Provinz Darfur geboren, von Sklavenhändlern verschleppt wurde, und mit einem ihrer Besitzer nach Italien kam, wo sie sich taufen ließ und dem Orden der Canossianerinnen beitrat.

Dramatische Entwicklungen für die Menschheit

Doch auch die dicksten Mauern des Vatikan können nicht verhindern, dass etwas über Form und Inhalt der Enzyklika durchgesickert ist. Wenige Sätze aus der päpstlichen Schrift haben italienische Zeitungen bereits in Erfahrung bringen können: "Das Christentum fürchtet die Zukunft nicht", zitiert der "Corriere della Sera" daraus, angesichts dramatischer Entwicklungen für die Menschheit weltweit sei die "Stärkung der Hoffnung, die sich auf den Glauben beruft" notwendig.

Und "La Repubblica" will erfahren haben, der Papst wolle die Gläubigen vor allem daran erinnern, dass die christliche Hoffnung kein abstraktes Konzept sei, sondern "eine Person", nämlich Jesus Christus. Jeder Christ müsse jederzeit "auf die Frage nach dem Grund seiner Hoffnung antworten können". Ernst Blochs "Prinzip Hoffnung" heißt bei Benedikt "Person Hoffnung".

Der Titel der Enzyklika "Spe salvi" ist der lateinischen Übersetzung des Paulusbriefes an die Römer entlehnt: "Wir sind gerettet in der Hoffnung." Benedikt greift damit nach der Liebe ("deus caritas est") erneut eine der drei christlichen Grundtugenden auf. Eine Enzyklika über die Hoffnung hatten Vatikan-Insider nicht erwartet. Sie rechneten nach dem ersten Lehrschreiben vom 25. Dezember 2005 über die Nächstenliebe mit einer sozialethischen Abhandlung.

Im Vatikan heißt es, der Papst arbeite bereits an einer dritten Enzyklika über den christlichen Glauben. Außerdem steht der zweite Teil seines Jesus-Buches aus.