Paris: Chirac-Vertraute wegen Korruption verurteilt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Paris Chirac-Vertraute wegen Korruption verurteilt

Mehrere Politiker aus dem Umfeld des französischen Präsident Jacques Chirac sind der Bestechlichkeit überführt worden. In einem der größten Korruptionsprozesse Frankreichs wurden jetzt Dutzende Angeklagte zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Nach Überzeugung der Richter eines Pariser Gerichts war Chiracs Stabschef Michel Roussin in eine Schmiergeldaffäre verwickelt, die sich während Chiracs Zeit als Bürgermeister von Paris über die Jahre 1989 und bis 1995 erstreckte. Der 66-Jährige wurde deshalb auch zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt.

Das Gericht verurteilte zudem den Ex-Arbeitsminister Michel Giraud von der damaligen Chirac-Partei RPR ebenfalls zu vier Jahren auf Bewährung. Der Olympia-Champion und Chirac-Freund Guy Drut erhielt in dem Verfahren um öffentliche Bauprojekte 15 Monate Haft auf Bewährung und 50.000 Euro Geldstrafe. Freigesprochen wurde der Ex-Präsident der Republikanischen Partei, Gérard Longuet.

Das Gericht blieb in vielen Fällen etwas unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. In dem Prozess, in dem sich 47 Geschäftsleute und Parteifunktionäre verantworten müssen, geht es um einen der größten Korruptionsskandale in der Geschichte Frankreichs. Dabei flossen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Bestechungsgelder für Reparaturaufträge an Schulen in Paris im Gesamtvolumen von rund 70 Millionen Euro.

Roussin soll eine treibende Kraft bei dem Betrug gewesen sein und selbst Schmiergelder kassiert haben. Er hat die Vorwürfe bestritten, jedoch eingeräumt, von dem System gewusst zu haben, das Politikern bis zu zwei Prozent der jeweiligen Auftragssummen sicherte. Der Großteil der Gelder ging an Chiracs Partei.

Chirac selbst ist in dem Fall durch die Immunität des Präsidentenamtes geschützt. Er streitet jede Verwicklung in die Affäre ab, hat eine Befragung jedoch abgelehnt.