Nukleare Abrüstung Peking lobt Obamas Atomwaffen-Vorstoß
US-Präsident Obama: "Besondere Verantwortung" für atomare Abrüstung zeigen
Foto: Markus Schreiber/ AP/dpaPeking/Berlin - Die Abrüstungsinitiative von US-Präsident Barack Obama ist in China auf Zustimmung gestoßen. "Die USA und Russland (...) sollten ihre Atom-Arsenale nachprüfbar und in verantwortlicher Weise substanziell verringern", sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying am Donnerstag in Peking nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP.
Beide Länder verfügten weltweit über die größten Atomwaffenbestände und sollten daher "eine besondere Verantwortung" für atomare Abrüstung zeigen. Ob sich China, das über rund 250 Atomsprengköpfe verfügt, der Initiative in irgendeiner Weise anschließt, sagte sie jedoch nicht.
Obama hatte bei seinem ersten Besuch als US-Präsident in Berlin am Mittwoch gefordert, die Zahl der strategischen Atomwaffen der USA und Russlands um bis zu ein Drittel zu senken. "Solange es Atomwaffen gibt, sind wir nicht wirklich sicher", sagte er unter Jubel in einer Rede vor dem Brandenburger Tor.
"Nicht ernst zu nehmen"
Putin lehnte bereits vor der Rede den Vorstoß ab, erste Medien hatten über Obamas Initiative bereits am Mittwochmorgen berichtet. Später sagte Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin: Der Plan sei "nicht ernst zu nehmen", solange die USA am Aufbau ihrer Raketenabwehr arbeiteten. Russland gefallen die Abrüstungspläne nicht, weil der Kreml sich nur noch bei den Nuklearwaffen mit Washington auf Augenhöhe sieht.
Russland und die USA verfügen zusammen über etwa 90 Prozent der Atomwaffen auf der Welt. China ist nach Frankreich die viertgrößte Nuklearmacht, Peking hat nach einem Bericht des Fachblatts "Bulletin of the Atomic Scientists" etwa 250 Atomsprengköpfe. Zum Vergleich: Russlands Arsenal beträgt demnach noch 8.500 Sprengköpfe, das der USA 7700. Frankreich verfügt über ungefähr 300 Sprengköpfe.
Paris zurückhaltend
Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian reagierte zurückhaltend auf Obamas Vorstoß. Das Atomwaffenarsenal seines Landes sei nicht vergleichbar mit dem der USA oder Russlands, bemerkte der Minister im Gespräch mit dem Radiosender France Info. "Frankreich hat ein bißchen weniger als 300 Atomsprengköpfe, die dazu bestimmt sind, unsere eigene Sicherheit zu garantieren", sagte Le Drian.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hatte am Mittwoch dagegen von einem "großen Wurf, den Deutschland außenpolitisch unterstützt" gesprochen. Nun gelte es, "insbesondere" mit der russischen Regierung den Dialog zu suchen.