Pentagon US-Soldaten in Kabul
Washington - Panzer rollten durch die Stadt, während im Stadtgebiet Taliban-Kämpfer festgenommen wurden. Der US-Fernsehsender CNN berichtete in der Nacht zum Mittwoch auch von schweren Kämpfen im Gebiet der Taliban-Hochburg Kandahar in Südafghanistan. Der Sender zitierte US-Außenminister Colin Powell mit den Worten, die Herrschaft der Taliban stehe möglicherweise vor ihrem Ende. Führer der Nordallianz sagten nach Angaben des britischen Fernsehsenders Sky News, Kandahar werde "innerhalb von Stunden" fallen.
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld äußerte sich am Dienstagabend zufrieden über die bisher in Afghanistan erreichten Fortschritte. Zugleich wies er jedoch in Washington darauf hin, dass die USA noch weit von ihren Zielen entfernt seien. Es bleibe höchste Priorität, die Führer der Terrororganisation al-Qaida und der Taliban zu stellen. Rumsfeld bestätigte zugleich, dass sich neben Mitgliedern der Nordallianz auch eine kleine Zahl von US-Soldaten in Kabul aufhalte, unter anderem, um die Lage zu beobachten.
Generalstabschef Richard Myers sagte, dass die Nordallianz bis zum vergangenen Freitag nur 15 Prozent des Landes kontrolliert habe. Heute sei es rund die Hälfte. Rumsfeld wertete die Entwicklung als Beweis dafür, dass sich das Ursprungskonzept der Militäraktion bewährt habe, durch Ausdauer und Beharrlichkeit den Druck auf Taliban und al-Qaida immer mehr zu erhöhen. Der Pentagon-Chef beschrieb die Flucht der Taliban-Miliz aus Kabul als "eher unorganisiert als organisiert". Er nannte es zugleich völlig legitim, die fliehenden Taliban aus der Luft anzugreifen. Sie seien bewaffnet, führten Fahrzeuge sowie andere Ausrüstung mit sich und hätten es bisher abgelehnt, sich zu ergeben.
Skeptisch äußerte sich Rumsfeld zu Berichten über Massenexekutionen in der am Freitag von der Nordallianz eroberten Stadt Masar-i-Scharif. Bisher gebe es für derartige Bluttaten keine Beweise.
Angesichts der sich überstürzenden Ereignisse dringt die internationale Gemeinschaft jetzt auf die Bildung einer breit angelegten neuen Regierung. Der Weltsicherheitsrat erörterte in New York die Bildung einer zweijährigen Übergangsregierung und weitere Details eines Fünf-Punkte-Planes für Afghanistan. Zu dem Plan gehörte auch, eine multinationale Sicherheitstruppe für die erste Zeit nach dem Taliban-Regime in das zerstörte Land zu schicken.