Peru: Meuterer geben auf - DER SPIEGEL
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Peru Meuterer geben auf

Tagelang hielten rebellierende Soldaten den Andenstaat in Atmen. Doch jetzt legten sie im Südosten des Landes ihre Waffen nieder und ergaben sich widerstandslos. Ihre Ideologie ist wirr - und trifft gerade deshalb auf fruchtbaren Boden.
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Lima - Die als Geiseln festgehaltenen 15 Polizisten und vier Militärs seien frei gelassen worden, berichteten nationale Medien aus der Stadt Andahuaylas.

Damit endete die am Samstag begonnene Rebellion ultranationalistischer Armeereservisten, in deren Verlauf vier Polizisten und ein Meuterer getötet sowie mehr als ein Dutzend Menschen verletzt worden waren.

Der Anführer der Rebellen, Antauro Humala, war bereits in der Nacht zum Dienstag festgenommen worden, während er über die Aufgabe verhandelte.

Die Aufständischen hätten am Dienstagvormittag (Ortszeit) auf dem zentralen Platz der Stadt ihre Waffen auf den Boden gelegt und mit erhobenen Händen auf die Polizei gewartet. Hunderte Sympathisanten aus der Stadt mit 30.000 Einwohnern seien als Zeugen anwesend gewesen. Später seien die Männer dann abgeführt worden und hätten dabei lautstark eine Amnestie gefordert, hieß es.

Die Regierung hatte am Montag lediglich die Achtung der Menschenrechte garantiert. Rebellion kann in Peru mit bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden.

Humala hatte mit dem Aufstand ursprünglich den Rücktritt von Präsident Alejandro Toledo erzwingen wollen. Später, als er mit seinen Leuten von etwa 1000 Polizisten und Soldaten umstellt war, verhandelte er nur noch über die Bedingungen der Aufgabe. Humala warf Präsident Toledo vor, er sei korrupt und verscherbele die Reichtümer Perus an das Ausland.

Antauro Humala und sein Bruder Ollanto führen die radikal- nationalistische "Nationale Bewegung Perus" an. Die von Indios dominierte Organisation sympathisiert mit linken Rebellen in Kolumbien und den Koka-Bauern in Bolivien. Die beiden hatten bereits 2000 durch eine Militärrebellion gegen den damaligen Präsidenten Alberto Fujimori von sich reden gemacht.

Die "Bewegung der Etnocaceristas" unter Führung der Brüder Ollanto und Antauro Humala wollen das Inkareich des 15. Jahrhunderts mit den Indios als herrschender Rasse wiedererrichten, korrupte Politiker und Militärs an die Wand stellen und ausländische Investoren enteignen und aburteilen. Die Rebellen berufen sich auf den peruanischen General Andrés Avelino Cáceres, der im 19. Jahrhundert als Partisan in den südlichen Anden die Chilenen bekämpfte.

Die Bewegung gibt sich nationalistisch und sozialistisch, schürt den Hass auf die chilenischen Nachbarn im Süden sowie auf Homosexuelle und droht allen Gegnern mit der Todesstrafe. Urheber dieser rassistischen Ideologie, in der Demokratie, Menschenrechte und Toleranz Fremdwörter sind, ist der Vater der Brüder, Isaac Humala. Die Weißen sollten im Norden leben, die Gelben in Asien, die Schwarzen in Afrika und die "Kupferfarbenen" in Südamerika, lautet seine Weltsicht. Wer nicht dort lebe, wo er gemäß seiner Hautfarbe hingehöre, müsse eben abgeschoben werden.

Die Forderungen der selbst ernannten Inka-Rebellen gelten als brandgefährlich, weil sie Themen aufgreifen, die vielen Peruanern seit langem schwer im Magen liegen. Die Korruption blüht, gut die Hälfte aller Bürger lebt in bitterer Armut, ausländisches Kapital kontrolliert einen erheblichen Teil der Volkswirtschaft und die politische Führung unter Präsident Alejandro Toledo quält sich von Skandal zu Skandal.

Die Bevölkerungsmehrheit der Indios ist in den oberen Machtetagen kaum vertreten.

Als Antauro Humala am Samstag mit etwa 150 bewaffneten Gefolgsleuten in die Stadt Andahuaylas in den Hochanden 400 Kilometer südöstlich von Lima einmarschierte und die örtliche Polizeiwache besetzte, schlug den so genannten Etnocaceristas denn auch die spontane Sympathie der etwa 30.000 Einwohner entgegen. Und auch in anderen Städten des verarmten Hinterlandes kam es zu Demonstrationen für die Aufständischen.