Pinochet: Kaum daheim, schon genesen? - DER SPIEGEL
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Pinochet Kaum daheim, schon genesen?

Schon beim Empfang auf dem Flughafen in Santiago de Chile machte Ex-Diktator Augusto Pinochet einen durchaus vitalen Eindruck. Jetzt ist der aus Gesundheitsgründen von der britischen Justiz verschonte Greis bereits aus dem Krankenhaus entlassen worden - obwohl er eigentlich mehrere Wochen dort bleiben sollte.
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Santiago de Chile - Nach nur neun Stunden wurde der 84-Jährige am Freitagabend aus dem Militärkrankenhaus in Santiago de Chile entlassen. Zunächst war von einem mehrwöchigen Krankenhausaufenthalt die Rede gewesen.

Die britische Presse tobte angesichts der Bilder des laufenden Greises, der auf dem Flughafen seine Unterstützer freudig begrüßte. Pinochet habe das britische Justizsystem und den Innenminister Jack Straw lächerlich gemacht, schrieb der "Daily Star". "Mir geht es jetzt viel besser, Jack", lautete die Schlagzeile der Zeitung.

Pinochet war am Donnerstag von Straw wegen schlechter Gesundheit nach 16 Monaten Hausarrest freigelassen worden. Spanien und mehrere andere europäische Länder hingegen hatten die Auslieferung beantragt, um den ehemaligen Militärmachthaber wegen Menschrechtsverbrechen vor Gericht zu stellen.

Die chilenische Regierung legte dem Ex-Diktator einen Rückzug ins Privatleben und einen Verzicht auf politische Betätigung nahe. Vor allem solle der 84-Jährige sein Amt als Senator auf Lebenszeit weiter ruhen lassen. Mittlerweile liegen 60 Strafanzeigen gegen Pinochet wegen der Verbrechen seiner Gewaltherrschaft von 1973 bis 1990 vor. Ein Strafprozess gegen ihn gilt nicht mehr als ausgeschlossen. Innenminister Raul Troncoso erklärte, die Justiz müsse im Fall Pinochet unabhängig entscheiden können.

Scharfe Kritik übten Regierungsvertreter am feierlichen Empfang der Streitkräfte für den Ex-Diktator. Der zukünftige Innenminister Jose Miguel Insulza verglich den Empfang mit dem Einmarsch von Nazitruppen in besetzte Länder Europas.

Der gewählte Präsident Lagos kritisierte ebenfalls den pompösen Empfang für den Ex-Diktator und warnte die Streitkräfte, dass er einen weiteren Akt dieser Art nicht dulden werde. Der amtierende Präsident Eduardo Frei, der sein Amt in einer Woche an Lagos übergeben wird, bedauerte seinerseits eine neue Polarisierung der chilenischen Gesellschaft nach der Rückkehr von Pinochet.