Pinochet Psychotests in der Klinik
Santiago de Chile - Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet wird zurzeit im Militärkrankenhaus von Santiago auf seine Verhandlungsfähigkeit hin untersucht. Bei den psychologischen und neurologischen Tests, die bis Samstag dauern können, geht es um den Geisteszustand des 85-Jährigen. Die chilenischen Gesetze schreiben diese Untersuchung bei jedem Verfahren gegen einen über 70-Jährigen vor. Rein körperliche Gebrechen, wegen derer Pinochet im vergangenen Jahr aus britischem Hausarrest freigekommen war, spielen keine Rolle. Justizkreisen zufolge hat Pinochet sich zu den Tests eingefunden, nachdem das chilenische Militär gedroht hatte, ihm andernfalls seine Unterstützung zu entziehen.
Am kommenden Montag soll der Ex-General dann erstmals dem Untersuchungsrichter Juan Guzman Rede und Antwort zu Verbrechen während seiner Militärherrschaft stehen. Pinochet, der zunächst die Untersuchungen und die Befragung verweigert hatte, ließ mitteilen, er werde alle Fragen beantworten. Anschließend könnte der Richter Anklage erheben und Hausarrest verhängen.
Guzman will den Ex-Diktator wegen Anstiftung und Beihilfe zum Mord an 57 Regimegegnern durch eine Todesschwadron kurz nach seinem Militärputsch im September 1973 anklagen. Wegen weiterer 18 Opfer dieser so genannten "Karawane des Todes", die bis heute verschwunden sind, will Guzman Anklage wegen Entführung erheben. Insgesamt liegen 204 Strafanzeigen gegen Pinochet vor.
Während der Militärdiktatur des Ex-Generals von 1973 bis 1990 sind mehr als 3000 Menschen ermordet worden oder spurlos verschwunden.