Polen Hetze gegen Homos
Ein solches Paragrafenwerk verlangt Brüssel von dem EU-Neumitglied. Wie sehr dies nötig ist, zeigt die schwulenfeindliche Reaktion von Warschaus Bürgermeister Lech Kaczynski.
Der derzeit aussichtsreichste Kandidat für die im Oktober anstehende Präsidentenwahl verbot kürzlich eine von Homosexuellen initiierte "Parade der Gleichheit". Eine "Parade der Normalität", bei der unter Führung der ultrarechten "Allpolnischen Jugend" Schwulenfeinde durch die Warschauer Innenstadt zogen, ließ Kaczynski jedoch zu, denn die Hetzkampagne trifft den Nerv vieler Wähler: Homosexuelle werden gemieden, verachtet und beschimpft.
Ein Gericht in Poznan stellte unlängst fest, es könne keine Beleidigung für Schwule sein, mit Pädophilen, Zoophilen und Nekrophilen gleichgesetzt zu werden. Seit das Thema die katholisch geprägte Gesellschaft polarisiert, wurde es auch von der von Skandalen in Misskredit gebrachten postkommunistischen Linken als Wahlkampf-Sujet entdeckt, und sie schlägt sich dabei eindeutig auf die Seite der Homosexuellen. Denn bei der Parlamentswahl im September könnte sie an der Fünfprozenthürde scheitern - daher versucht sie, sich nun als weltoffen, tolerant und proeuropäisch zu profilieren.