Porträt Republikaner wider Willen
Washington - Senator James "Jim" Jeffords aus Vermont, der jetzt den Demokraten die Mehrheit im Senat beschert, galt schon seit langem als eigenwilliger Mensch. 1998 etwa, so zeigen Statistiken, stimmte er in 69 Prozent aller Fälle mit den Demokraten und damit gegen seine eigene Republikanische Partei.
Auch im Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre scherte Jeffords aus: Er gehörte zu den fünf republikanischen Senatoren, die für einen "Freispruch" Clintons in allen Anklagepunkten stimmten.
Der 67-Jährige ist zudem ein überzeugter Verfechter des Abtreibungsrechts, tritt entschieden gegen die Diskriminierung von Homosexuellen ein und ist auch in Umweltfragen häufig von der Parteilinie abgewichen.
Wie unabhängig Jeffords ist, zeigte sich erstmals deutlich im Jahr 1981. Damals war er Mitglied des US-Repräsentantenhauses und lehnte als einziger Republikaner in der Kammer das Steuerprogramm des damaligen Präsidenten Ronald Reagan ab.
Trotz des Rebellentums haben enge Freundschaften mit führenden Republikanern gehalten. So ist Jeffords zusammen mit dem bisherigen Mehrheitsführer im Senat, Trent Lott, dem neuen Justizminister John Ashcroft und Senator Larry Craig Mitglied eines Musik-Quartetts mit dem Namen "Singing Senators".
Der am 11. Mai 1934 geborene Jeffords kommt aus einer Familie mit tiefen republikanischen Wurzeln. Er ist Sohn eines früheren Vorsitzenden Richters am Obersten Gerichtshof von Vermont und war selbst zunächst Justizminister des Bundesstaates. 1975 zog Jeffords ins US-Abgeordnetenhaus ein und wurde dann 1988 in den Senat gewählt.
Im November vergangenen Jahres wurde der Träger des schwarzen Gürtels in Tae Kwon Do mit überwältigender Mehrheit zum dritten Mal in die kleinere Kongresskammer gewählt.