Presseschau: Der perfekte Beweis - DER SPIEGEL
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Presseschau Der perfekte Beweis

Das neueste Bin-Laden-Video habe die Schuld des al-Qaida-Chefs eindeutig enthüllt. Darin sind sich große europäische Zeitungen in ihren Kommentaren einig.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Den Haag - Das niederländische unabhängige "Algemeen Dagblad" schreibt am Freitag:

"Dank früherer Botschaften war der düstere Charakter dieses enthüllenden Videoberichts zwar nicht mehr überraschend, aber zum Glück haben die Amerikaner ihre anfängliche Scheu überwunden, das Material freizugeben. Rechtschaffene Menschen überall auf der Welt können so den verachtenswerten Zynismus studieren, durch den sich religiöse Fanatiker dieser Art leiten lassen."

Die linksliberale britische Zeitung "The Guardian" meint, das Video könne auch Muslime überzeugen:

"Dieses Video wird dazu beitragen, Bin Ladens Ansehen in der islamischen Welt zu untergraben und es im ohnehin schon feindlichen Westen weiter zu verschlechtern. Muslime, die überzeugt waren, die Beschuldigungen gegen Bin Laden seien bloß eine fadenscheinige Entschuldigung für amerikanische Aggression und die wahren Täter seien die USA selbst oder der israelische Geheimdienst oder wer auch immer, aber keine Muslime, werden solche Phantasien nun nur noch mit größeren Mühen aufrechterhalten können.

Jene, die sowieso schon Bin Laden hörig sind, werden das beiseite wischen. Aber es gibt keinen Grund zur Annahme, dass der normale vernünftige Muslim von den Beweisen des Videos nicht ebenso überzeugt sein wird wie der normale vernünftige Nicht-Muslim."

Die konservative britische Zeitung "The Daily Telegraph" schreibt über den "perfekten Beweis":

"Man könnte sagen, dass der perfekte Beweis erst nach der Vollstreckung des Urteils kam. Die Taliban-Regierung ist zerfallen, und al-Qaida in Afghanistan ist im dürren Land südlich von Dschalalabad eingeschlossen. Aber das würde der Tatsache nicht gerecht werden, dass die laufende Kampagne nur die erste Phase eines größeren Krieges gegen den Terrorismus ist. Irak, Iran, Nordkorea, Somalia, Sudan, Syrien und Jemen sind mögliche amerikanische Ziele wegen ihrer Unterstützung des Terrorismus."

Der Einsatz, um den es geht, und der betroffene Raum könnten größer werden. Vor diesem Hintergrund ist es nützlich, im westlichen Arsenal einen wasserdichten Beweis für die Schuld Bin Ladens zu haben."

Die linksliberale französische Tageszeitung "Libération" hält das Bin-Laden-Video für eine "Waffe":

"Das bösartige Genie des Osama Bin Laden ist es, das aus ihm einen so besonders gefährlichen Gegner macht. Er weiß moderne Technologien wie beispielsweise die Video-Technik für seine Fieberträume von einem religiösen Fanatismus einzusetzen, der nun in eine rückwärts gewandte theokratische Gesellschaft führen soll. Seine Videos sind dabei auch Waffen, die darauf abzielen, die gesamte Welt in einen Krieg der Zivilisationen zu stürzen. Die Muslime sollen in menschliche Bomben verwandelt werden, die sich gegen den Rest der Menschheit richten."