Pressestimmen: Der Superfalke - DER SPIEGEL
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Pressestimmen Der Superfalke

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

So kommentierte die ausländische Presse den Sieg von Ariel Scharon:

"De Telegraaf" (Niederlande): "Auch der neue israelische Ministerpräsident wird nicht umhin kommen, weiter über Frieden zu verhandeln. Das erwartet die Welt von ihm. Die Palästinenser, die diesen Falken im Schafspelz über sich herabgerufen haben, müssen mit ihm leben. Aber noch immer liegt ein Friedensvertrag im Nahen Osten weiter in der Ferne denn je. Man kann nur hoffen, dass es allmählich zu Vereinbarungen kommt, die auf beiden Seiten von Vertrauen getragen werden und die schließlich die Grundlage für den Frieden legen können. Krieg und bewaffneter Friede sind keine Lösung."

"The Times" (Großbritannien): "Die Israelis haben für Scharon gestimmt, weil ihnen die unmittelbare Bedrohung ihrer persönlichen Sicherheit wichtiger war als die Fortsetzung eines politischen Dialoges, in dem ein Kompromiss als unmöglich erschien. Scharon ist jedoch klar, dass 70 Prozent der Wähler nach wie vor für eine Fortsetzung der Verhandlungen sind. Die "Oslo-Version" des Friedensprozesses mag auf der Straße gestorben sein, aber eine andere Vereinbarung muss entstehen. Mit der Wahl von Scharon zum Ministerpräsidenten haben die Wähler klar gemacht, dass sie Gewalt weder als Verhandlungstaktik noch als Sicherheitsventil der Palästinenser hinnehmen und dass sie ebenso hart wie ihre Nachbarn sein können. Frieden und Realismus müssen nun miteinander ausgesöhnt werden."

"Algemeen Dagblad" (Niederlande): "Auf den Wogen der Enttäuschung, Uneinigkeit und vor allem tief reichender Angst hat Ariel Scharon die Wahl in Israel für sich entschieden. Erwartungsgemäß hat die Mehrheit der Israelis den Glauben an die Vitalität des Friedensprozesses völlig verloren. Leider werden die Stimmen für Scharon eine neue aussichtslose Episode von Konfrontationen mit den Palästinensern bringen. Dabei stellt sich die Frage, was noch von der amerikanischen Diplomatie erwartet werden kann, die im Nahen Osten traditionell große Bedeutung hat. Nach dem Machtwechsel im Weißen Haus steht Präsident George W. Bush jetzt wirklich vor seiner Feuertaufe. Wenn er der Entwicklung ihren Gang lässt, bringt das enorme Risiken mit sich. Wenn sein erstes Auftreten aber einen Misserfolg bringt, ist das nicht weniger katastrophal."

"Sewodnja" (Russland): "Für die Führung der Palästinenserautonomie ist Scharon als Gesprächspartner unannehmbar. Er wird für den Mord an palästinensischen Flüchtlingen in den Lagern Sabra und Schatila 1982 verantwortlich gemacht und dafür, dass er als Ministerpräsidentenkandidat mit seinem Besuch auf dem Tempelberg am 28. September 2000 die jetzige Verschärfung des Konflikts provozierte."

"Maariv" (Israel): "Scharon wird den erträumten Frieden vielleicht nicht schnell bringen, aber die Lage wird sicherlich kaum schlimmer werden. (...) An eines muss (Palästinenserpräsident Jassir) Arafat sich gewöhnen: Das System, das er gegenüber (dem scheidenden Ministerpräsidenten Ehud) Barak anwandte, wird bei Scharon nicht ziehen. Er verspricht, dass er keine Verhandlungen unter Feuer führen und symmetrische Konzessionen fordern wird. Scharon hat zwar seine Pläne nicht in allen Einzelheiten aufgedeckt, aber die Tatsache, dass er die Möglichkeit eines palästinensischen Staates in Aussicht gestellt hat, beweist, dass er den Weg zum Frieden nicht blockiert. Er könnte viele noch überraschen. In seinem Alter und seiner Position wird er keine Anstrengung sparen, um als Friedensstifter in die Geschichte einzugehen."

"Liberation" (Frankreich): "Kann man mit Ariel Scharon im Sessel des Ministerpräsidenten, doch ohne kohärente Mehrheit in der Knesset sowie nach mehr als vier Monaten mörderischer Krawalle zwischen Israeli und Palästinensern, noch den durch die Osloer Abkommen bestärkten Ausdruck "Friedensprozess" benutzen? Stellt der Ausdruck nicht einen Missbrauch von Sprache und vorgegebenem Optimismus dar, da er ein paralleles Hinarbeiten beider Parteien auf ein gemeinsames Ziel, den Frieden, darstellt? Es sind umso legitimere Fragen, als Scharon den Frieden weit nach hinten geschoben hat, sehr weit vom Imperativ der Sicherheit entfernt - indem er sogar diese beiden Konzepte in Widerspruch stellt, obwohl sie komplementär sein müssten..."

"La Repubblica" (Italien): "Die Wahl von Ariel Scharon war erwartet worden. Aber die Größe seines Sieges überraschte doch. Auch wenn er von den Umfragen vorhergesagt wurde, so rüttelt der Ausgang einer Wahl doch stets auf. Vor allem, wenn der Wille des Volkes eine Wende markiert, mit so großem Impetus den Lauf der Dinge umkehrt. Genau das ist in Israel geschehen. Indem die Israelis massenhaft für den Ex-General stimmten, die auffällige Verkörperung ihrer unnachgiebigsten Impulse, haben sie den Weg zu einer Lösung des Nahost-Dramas noch unwegsamer gemacht. Der neue Ministerpräsident ist ein berüchtigter Superfalke. Sein langes Leben als Militär und Politiker lässt keine Zweifel zu. Deswegen wurde er ja gewählt, und genau deswegen hat die gesamte arabische Welt von Rabat bis Bagdad angesichts der Fernsehbilder des mächtigen Siegers die unmissverständliche Botschaft verstanden."

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