Pressestimmen: "Erstklassiger Betrug" - DER SPIEGEL
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Pressestimmen "Erstklassiger Betrug"

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Hamburg - So kommentierte die ausländische Presse die Wahlen in Jugoslawien:

"Aftonbladet" (Stockholm): "Die Präsidentenwahl in Jugoslawien war zugleich eine nationale Schicksalsfrage und ein erstklassiger Betrug. Das Land hat in seiner kurzen Geschichte vermutlich niemals freie und gerechte Wahlen erlebt. Die Milosevic-Vorstellung am Sonntag passte zu diesem Stil. Das stempelt ihn ab, und dieses Mal für immer... Europa und die USA haben schon seit langem erklärt, dass Milosevic weg muss, wenn Serbien beziehungsweise Jugoslawien sich von Isolation und Sanktionen wegbewegen will. Das ist richtig so. Aber die Jugoslawen selbst müssen für Veränderungen sorgen. Und mit einem gewissen Mut haben Serben und Montenegriner nun damit begonnen, die Volksplage und den Zerstörer Milosevic aus Belgrad wegzubringen."

"La Repubblica" (Rom): "Formal endet Milosevics Mandat erst im Juli 2001. Wenn die Urnen Kostunica als seinen Nachfolger bestimmen, gäbe es eine unmögliche Kohabitation zwischen dem Chef des Regimes und dem Chef der Opposition - zwischen Tyrannei und Übergang zur Demokratie, zwischen Illegalität als System und der Hoffnung auf einen Rechtsstaat, zwischen dem Mythos einer Achse Belgrad-Peking, woran sich Milosevic klammert, und der krampfhaften Angst, mit der Europa sich an Kostunica hält. Milosevic ist ein Meister der Kohabitation: Als er früher noch Präsident Serbiens war, hat er zwei jugoslawische Präsidenten beschädigt, die ihm die Gefolgschaft verweigert hatten. Aber das waren andere Zeiten."

"24 Tschassa" (Sofia): "Innerhalb von nur wenigen Wochen wurde Vojislaw Kostunica vom kaum bekannten Vorsitzenden einer kleinen, serbischen Partei zur Persönlichkeit, deren Name in Berlin, Paris, London und Washington bekannt ist. (...) In den Augen von Milosevic ist Kostunica die ungünstigste Variante eines Gegners, weil er ein Mann ist, den er nicht mit den gleichen verdorbenen Methoden angreifen kann, mit denen er die anderen Oppositionsführer zehn Jahre lang auseinander dividierte oder bloßstellte. Kostunica schafft das, woran Draskovic und Djindjic scheiterten: Er spricht die Sprache von Milosevic und genießt gleichzeitig ein großes Vertrauen. (...) Kostunica wollte sich der Euphorie nicht anschließen und blieb zurückhaltend, ohne mehr zu versprechen als das, was er machen kann, falls er zum Präsidenten gewählt wird - den Anfang des Wandels."

"Wedomosti" (Moskau): "Beobachter meinen, dass im Falle des Wahlsieges Milosevic bereit ist, Gewalt gegen seine Opponenten einzusetzen, die er 'Verräter' und 'Agenten des Westens' nennt... Milosevic wird mit sämtlichen Mitteln um den Sieg kämpfen, da er im Falle eines Sieges der Opposition an das Internationale Uno-Tribunal in Den Haag ausgeliefert wird, wo er wegen Kriegsverbrechen angeklagt ist."