Pressestimmen: "Immerhin kein Misserfolg" - DER SPIEGEL
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Pressestimmen "Immerhin kein Misserfolg"

Die Kommentatoren der internationalen Tageszeitungen befassen sich mit den Ergebnissen des Gipfels von Scharm al-Scheich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Telegraaf" (Den Haag):

"Das Gipfeltreffen von Scharm al-Scheich über den neu entflammten Nahostkonflikt ist kein Misserfolg geworden. Und das ist immerhin ein Gewinn, so wenig es auch sein mag. Misstrauen ist und bleibt der Kern des Konflikts, wie sich auch in den vergangenen Wochen zeigte. Vertrauensbildende Maßnahmen auf beiden Seiten wären erforderlich, um die Entwicklung umzukehren. Die Zeit wird lehren, ob sie möglich sind. Auf jeden Fall erscheint es wenig sinnvoll, rasch einen bedeutenden Erfolg im Friedensprozess zu erwarten."

"Tages-Anzeiger" (Zürich): "Der Krisengipfel von Sharm al-Sheich hat das Schlimmste vorerst verhindert. Auf beiden Seiten lastet eine große Verantwortung. Israels Premier Ehud Barak muss sich der bewaffneten Siedler annehmen. Jassir Arafat seinerseits steht vor der schweren Aufgabe, die aufgewühlten Massen zu beruhigen, ohne ihnen dafür eine hoffnungsvolle Perspektive anbieten zu können. Dabei helfen könnte ihm die internationale Kommission, welche die Unruhen der letzten zwei Wochen untersuchen soll. Dass diese überhaupt zu Stande kam, ist in erster Linie das Verdienst von Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Er hat der Uno als Schlichterin im Nahostkonflikt zu einer neuen Qualität verholfen."

"Wremja Nowostej" (Moskau): "Den relativen Erfolg des ägyptischen Gipfels kann Bill Clinton voll und ganz auf sein Konto buchen. Er hat verzweifelt um das nahezu wichtigste 'außenpolitische Kind' seiner achtjährigen Präsidentschaft gekämpft - den Friedensprozess im Nahost. Russland war bekanntlich nicht in Scharm al-Scheich. Für seine Diplomaten gab es dort nichts zu tun. Der Gipfel wurde zur wahren Benefizvorstellung der Amerikaner."

"La Repubblica" (Rom): "Man darf bezweifeln, dass es US-Präsident Bill Clinton gelungen ist, die Revolte in Gaza und im Westjordanland zu entschärfen. Gewiss ist dagegen, dass er vorerst die Bedeutung des für Samstag vorgesehenen arabischen Gipfels in Kairo verringert hat. Dieses Sondertreffen hätte der Krise neue gefährliche Dimensionen gegeben, wenn es ohne eine israelisch-palästinensische Einigung stattgefunden hätte. Die Zustimmung Ägyptens und Jordaniens zu dieser Vereinbarung zwingt die anderen arabischen Staaten zur Mäßigung. Dies ist für Clinton ein echter Erfolg."

"Le Figaro" (Paris): "Nichts beweist, dass der Aufruf zum Ende der Gewalt und der israelischen Blockaden, die Öffnung der Grenzen und die Einsetzung einer Untersuchungskommission es ermöglichen werden, die Region aus dieser Sackgasse herauszubringen. Israels Regierungschef Ehud Barak spielt mit seiner politischen Zukunft. Palästinenserpräsident Jassir Arafat hat seinerseits Mühe, seine Truppen unter Kontrolle zu halten. Beide haben sie nur einen äußerst begrenzten Manövrier-Spielraum. Der Westen, der eine Erhöhung der Ölpreise befürchtet und das Wiederaufflammen des Terrorismus in Nahost, hat ein Interesse daran, dass sich diese beiden Politiker verstehen. Das liegt aber nicht unbedingt in deren eigenem Interesse."

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