Pressestimmen: Putins Traum ist vorüber - DER SPIEGEL
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Pressestimmen Putins Traum ist vorüber

Die internationale Presse sieht den Untergang der "Kursk" und das Scheitern der Rettungsaktion vor allem als Katastrophe für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Kreml
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"The Independent",

London:
"Wenn der Kreml in der vergangenen Woche weniger misstrauisch gewesen wäre, könnten einige der Seeleute der 'Kursk' heute möglicherweise noch leben. Das ist die Lektion, die die Wähler in Russland nicht so schnell vergessen werden. Der Westen kann helfen, aber nur wenn Putin und dessen Kollegen in Moskau bescheiden genug sind, diese Hilfe anzunehmen. Das gilt für die kranke russische Wirtschaft ebenso wie für Unglücke auf See. Die Russen mögen mit schöner Regelmäßigkeit den Westen für die Armut verantwortlich machen, unter der ihr Land immer noch leidet. Aber internationale Zusammenarbeit zur Verbesserung der Lage in Russland ist nur möglich, wenn Russland selbst einsieht, dass der Westen nicht länger der Feind ist. Wir haben ein neues Jahrhundert begonnen. Putin muss auch lernen, neu zu beginnen."

"Iswestija", Moskau:
"Bereits in dem Moment, als das U-Boot gefunden wurde, hat man die Besatzung abgeschrieben. Die Rettungsaktion wurde nicht für sie durchgeführt, sondern für die Politiker, Admiräle und Konstrukteure.
Die 'Besatzung' an der Macht wurde gerettet und ein Militärgeheimnis gewahrt. Das schwache Klopfen der Sterbenden war ein störendes Hindernis in diesem Kampf der Titanen.
Hätte man die Norweger schon vor einer Woche gerufen, wären das Oberkommando der Marine, die Regierung und vielleicht auch das Leben wenigstens eines Matrosen gerettet worden."

"Le Figaro", Paris:
"Wenn es so aussah, als sei der Kreml in der Lage gewesen, die Informationen über den Krieg in Tschetschenien zu kontrollieren, dann nur, um der Weltöffentlichkeit eine offizielle Version vorzusetzen: Die Verluste wurden nach unten gerechnet, der Erfolg der Armee überschwänglich aufgebläht.
Auf ähnliche Weise wurden die Fakten im Zusammenhang mit dem Untergang der 'Kursk' manipuliert. Das ist ein Grund, warum sich die Empörung in der Bevölkerung gegen die Politiker richtet. Russlands Präsident Putin muss jetzt ein großes Interesse daran haben, seine Fehler so schnell wie möglich wieder gutzumachen und für Transparenz zu sorgen."

"Trud", Sofia:
"Von der Heldengeschichte (der Panzerschlacht) von Kursk bis zur Tragödie mit (dem U-Boot) 'Kursk' hat sich nichts im Denken hinter den Mauern des Kremls verändert. (...) Falsche Vorstellungen von einem beschädigten Ansehen, Manie für Vertraulichkeit und Größenwahn, Angst vor der Übernahme von Verantwortung und schwere Bürokratie lähmen die Handlungen und verwickeln die Obrigkeiten in Moskau in Lügen.
Zehn Tage erschütterten die Welt, aber umso mehr ernüchterten sie die postsowjetische Gesellschaft. Es wird Putin jetzt schwer fallen, sich seinem Volk zu stellen. Und wie wird er den Müttern in die Augen schauen?"

"Salzburger Nachrichten", Salzburg:
"Und nun sollten Engländer oder Norweger, Amerikaner gar, zu Hilfe gerufen werden? Um vor aller Augen schmachvoll die eigene Unfähigkeit eingestehen zu müssen? Was zählen vor diesem Hintergrund ein paar Matrosen und ihre Angehörigen? Da schon lieber tun, was ebenso alte wie zynische Kreml-Strategie ist: lügen, täuschen, verwirren, Zeit gewinnen, selbst probieren. Doch wie in Tschetschenien scheiterte die Not leidende und marode russische Armee an den Vorgaben. Im Kaukasus sollte sie einen Gewaltfrieden herstellen, im Eismeer weltweite Einsatzbereitschaft demonstrieren um fast jeden Preis.
Mit der 'Kursk' und dem fürchterlichen Missmanagement der Tragödie ist der von Wladimir Putin erhobene Anspruch, das russische Imperium wieder zu beleben, wohl endgültig auf Grund gegangen. Die Demütigung ist perfekt. Der Traum ist vorüber."

"Mlada fronta Dnes", Prag:
"Es wäre eine Katastrophe, wenn Russland aus der 'Kursk'-Tragödie einzig den Schluss ziehen würde, dass es stabilere U-Boote braucht. Russland braucht nicht bessere Waffen, es braucht bessere Demokratie. Zwar gibt jede Armee Tatsachen immer nur stückweise heraus, das ganze Bild des Dramas in der Barentssee ist aber bedrückend: Russland informierte nicht nur spät, sondern auch ungenau und schlecht.
In Gedenken an die Lügen um den Reaktorunfall von Tschernobyl sollte man daran erinnern, dass man nur mit exakter Benachrichtigung Vertrauen schafft. Ein positives Ergebnis hat die Tragödie aber vielleicht doch: Sie hat gezeigt, dass die öffentliche Meinung in Russland stark ist und von Politikern nicht ignoriert werden kann."