Printmedien: Konfusion in den Redaktionen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Printmedien Konfusion in den Redaktionen

In den Zeitungsredaktionen der USA herrschte in der Wahlnacht Zeitdruck und Ratlosigkeit. Wie lautet die Schlagzeile? Viele Printausgaben im Osten machten Bush zum Sieger - und fielen auf die Nase.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Immer wieder hatten die Redaktionen in den gesamten USA den Andrucktermin verschoben, doch irgendwann war die absolute Deadline erreicht. Auf Grund der Zeitzone hatte das für die Zeitungen an der Ostküste teilweise fatale Folgen. "Bush siegt" druckte die "New York Post" in roten Buchstaben auf Seite eins. "The Kansas City Star" schrieb "Bush gewinnt turbulentes Rennen", die "Milwaukee Journal Sentinel" titelte "Bush gewinnt um Haaresbreite". "Bush triumphiert" lautete die Schlagzeile der "Charleston Gazette" in West Virginia. "Bush gewinnt es" prangte auf der Frühausgabe des "Miami Herald".

In Chicago gingen zwei Redaktionen auf Nummer Sicher. Die "Sun-Times" vermied das Thema der Präsidentenwahl und wählte die Überschrift "Hillary siegt", während die "Tribune" schrieb: "So knapp, wie es nur geht". Der "Boston Globe" machte ebenfalls Bush zum Präsidenten. "Wir haben die Pressen gestoppt und fast alle Ausgaben zurückgezogen", sagte Redakteur Matthew Storin vom "Globe".

Doch nicht nur die US-Zeitungen der Ostküste hatten mit dem turbulenten Verlauf der Wahlnacht ihre Probleme. In Japan erschien die größte Zeitung des Landes, "Yomiuri", am Mittwoch mit einer Sonderausgabe, in der Bush zum 43. Präsidenten der USA gekürt wurde. "Wir haben die Fahrer angerufen und ihnen gesagt, sie sollen anhalten", sagte ein Sprecher der Zeitung. Andere reagierten nicht so schnell. Die Boulevardzeitung "Gendai" wurde am Mittwoch mit der Überschrift "Bush siegt knapp" und mit einem Bild des vermeintlichen neuen US-Präsidenten auf dem Titel verkauft.