Prodi: Jetzt gratuliert auch Bush - DER SPIEGEL
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Prodi Jetzt gratuliert auch Bush

Fast zwei Wochen nach seinem Wahlsieg hat Italiens künftiger Ministerpräsident Prodi Glückwünsche aus dem Weißen Haus erhalten. Berlusconi-Freund George W. Bush ist einer der letzten, aber auch einer der wichtigsten internationalen Gratulanten. Gleichzeitig steckt Prodi schon im ersten Koalitionskrach.
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Rom - Romano Prodi erhielt die Glückwunsche aus den USA per Telefon. Der US-Präsident habe in dem Gespräch die Hoffnung auf ein baldiges persönliches Treffen mit Prodi geäußert, teilte das Büro des künftigen Ministerpräsidenten in Rom mit.

Bush, ein enger Freund des bisherigen Regierungschefs Silvio Berlusconi, war einer der letzten wichtigen Staatsmänner, die Prodi zum Sieg bei der Parlamentswahl gratuliert haben. Der US-Präsident hat bis zur endgültigen Bestätigung des knappen Ergebnisses zu Gunsten der bisherigen Mitte-links-Opposition durch das Kassationsgericht gewartet.

Berlusconi will seine Niederlage allerdings immer noch nicht eingestehen. Auch zwei Tage nach Prodis offizieller Bestätigung als Wahlsieger weigert sich der scheidende italienische Ministerpräsident. Vor Mitgliedern und Anhängern seiner Partei Forza Italia in Triest sagte Berlusconi am Freitagabend, er habe Prodi nicht angerufen und werde das auch nie tun. Er müsse ihm dann nämlich wünschen, gut zu regieren, doch das sei gegen die Interessen des Landes.

Prodi werde mit seinem Mitte-links-Bündnis nicht in der Lage sein, lange zu regieren. Es werde sich nur um ein Intermezzo handeln, dann werde seine Koalition an die Macht zurückkehren, sagte Berlusconi. "Wir werden jede parlamentarische Regelung ausnutzen, um die Regierung zu lähmen und sie daran zu hindern, alle von uns eingebrachten Reformen zu zerstören", fügte er hinzu.

Vertrauten hatte Berlusconi gesagt, er werde Prodi nicht anrufen und auf jeden Fall bis zum 28. April im Amt bleiben. An diesem Tag soll in Rom erstmals das neue Parlament zusammenkommen. Prodis Lager kommentierte Berlusconis Verhalten süffisant: "Es ist die letzte Szene des Ritters, der ungeschickt von seinem Pferd fällt", sagte der Mitte-links-Politiker Franco Monaco unter Anspielung auf Berlusconis Spitzname "cavaliere" (Ritter).

Wann der 66-jährige Wirtschaftsprofessor Prodi offiziell vereidigt werden soll, ist weiter unklar. Noch immer steht nicht fest, ob er das Mandat zur Regierungsbildung noch von Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi erhalten soll oder erst von dessen Nachfolger. Ciampis Amtszeit läuft im Mai aus.

Der erste Koalitonskrach 

Doch schon bevor er überhaupt im Amt ist, droht Prodi Ärger aus den eigenen Reihen. Zwei politische Schwergewichte in seinem Mitte-Links-Bündnis, der Kommunist Fausto Bertinotti und Massimo D'Alema von den Linksdemokraten, beanspruchen den prestigeträchtigen Posten des Parlamentspräsidenten. Der Anführer der Kommunisten untermauerte seine Forderung heute gegenüber "La Stampa" mit der Drohung, seine Partei werde andernfalls das bei der Wahl siegreiche Bündnis verlassen.

D'Alema will als Chef der stärksten Kraft des Mitte-Links-Lagers ebenfalls Präsident des Abgeordnetenhauses werden und zeigte sich angesichts der Äußerungen seines Rivalen enttäuscht. "Wir geben als Koalition ein schreckliches Bild ab und Bertinotti wirkt spalterisch", sagte er "La Repubblica".

Die Demokratische Union für Europa (UDEUR), ein kleiner Koalitionspartner Prodis, drohte ebenfalls mit einem Austritt aus dem Regierungsbündnis. UDEUR-Chef Clemente Mastella zeigte sich in einem Zeitungsinterview unzufrieden mit der derzeitigen Lage des Bündnisses und forderte schnelle Veränderungen. Details über die Ambitionen Mastellas gingen aus dem Gespräch mit der Zeitung "Avvenire" nicht hervor. Andere Blätter spekulierten jedoch darüber, dass Mastella Verteidigungsminister oder Senatspräsident werden will.

Prodi kündigte heute an, er werde den Streit um den Posten des Parlamentspräsidenten schlichten. Es sei für ihn keine schwierige, für die Betroffenen jedoch offensichtlich eine schmerzhafte Entscheidung. Beide Seiten hätten versichert, sein Machtwort zu akzeptieren.

Bereits 1998 war die erste Regierung Prodis gescheitert, nachdem ihm Bertinotti die Gefolgschaft aufgekündigt hatte. Kritiker hatten mehrfach bezweifelt, dass Prodi sein breites Bündnis auf Dauer zusammenhalten kann: Es reicht von Kommunisten bis hin zu moderaten Katholiken. Allerdings hatten selbst Skeptiker nicht damit gerechnet, dass die ersten Konflikte schon vor dem Amtsantritts Prodis ausbrechen würden.

ler/Reuters/dpa/AP