Prozess gegen John Walker US-Taliban wird nicht hingerichtet
Washington - Vor einem Zivilgericht steht für Beihilfe zum Terrorismus lebenslange Haft. Walker soll demnach nicht des Landesverrats angeklagt werden, der mit dem Tod bestraft werden kann. Das teilte US-Justizminister John Ashcroft in Washington mit.
Falls es Beweise für weitere Anklagepunkte gebe, würde der Prozess gegen Walker ausgeweitet. Der 20-Jährige gehörte in Afghanistan nach eigenen Angaben zu einer direkt von Terroristenchef Osama Bin Laden finanzierten Kampftruppe der Taliban. Er war vor vier Jahren zum Islam übergetreten. Bei der Gefangenenrevolte in Masar-i-Scharif war er in amerikanische Hände gefallen. Im vergangenen Jahr hielt er sich laut Ashcroft sieben Monate in einem Ausbildungslager für Terroristen auf.
Der Prozess gegen den US-Taliban, der bisher auf einem Kriegsschiff im Arabischen Meer festgehalten wird, wird vor einem Bundesgericht in Alexandria bei Washington stattfinden. Walker soll jetzt vom US-Militär der Ziviljustiz überstellt werden.
Ashcroft sagte, Walker habe sich bewusst auf die Seite von Fanatikern gestellt und gegen seine eigenen Landsleute gekämpft. "Wir werden vielleicht nie wissen, warum er unserem Land und unseren Werten den Rücken kehrte. Aber wir können nicht ignorieren, dass er es tat. Jugend ist kein Freibrief für Verrat, und persönliche Selbsterfahrung ist keine Entschuldigung dafür, gegen sein eigenes Land zur Waffe zu greifen." Um Landesverrat nachzuweisen, seien jedoch entweder ein Geständnis vor Gericht oder die Aussage von mindestens zwei Zeugen erforderlich.
Operation auf Stützpunkt Guantanamo
Auf dem US-Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba haben unterdessen Marineärzte einen aus Afghanistan verlegten Gefangenen operiert. Der Mann habe an einer rund vier Wochen alten Schusswunde am Arm gelitten und große Schmerzen gehabt, sagte Pentagon-Sprecherin Victoria Clarke in Washington. Vor dem Eingriff sei dem Mann die Prozedur erklärt worden. Der Patient gehört zu den 50 mutmaßlichen Mitgliedern der Terrororganisation al-Qaida und Taliban, die bisher von Kandahar nach Kuba gebracht worden waren.
Menschenrechtsorganisationen hatten die Befürchtung geäußert, dass die auf dem Stützpunkt in Käfigen untergebrachten Gefangenen nicht internationalen Standards gemäß behandelt würden. Kuba hat den USA Hilfe für das Gefangenenlager angeboten. Man sei "zur Zusammenarbeit hinsichtlich medizinischer Dienste sowie der sanitären Versorgung in den umliegenden Gebieten unter unserer Kontrolle bereit, sowie in jeder anderen nützlichen, konstruktiven und humanitären Hinsicht", hieß es in einer am Uno-Sitz in New York verbreiteten Erklärung.