Putsch in Mauretanien Polizeichef wird Regierungschef
Nouakchott - Oberst Ely Ould Mohammed Vall sei nun der Vorsitzende des militärischen Rates, hieß es in einer Erklärung der Putschisten, die Maaoya Sid'Ahmed Taya gestürzt hatten. Der Präsident befand sich zur Zeit des Putsches in Saudi-Arabien, inzwischen ist er in Niger eingetroffen.
Vall führte seit 1987 die Polizei des westafrikanischen Landes. Er agierte bisher ruhig und ist äußerst wortkarg. Der 55 Jahre alte Oberst galt überdies als enger Vertrauter des gestürzten Taya. In der Erklärung der Offiziere wurden 16 weitere Personen genannt, die in den kommenden zwei Jahren den militärischen Rat bilden und das Land regieren wollen. Bis auf einen führen alle den Rang eines Oberst und damit den höchsten der mauretanischen Streitkräfte.
Der Putsch war von Offizieren der Präsidentengarde ausgegangen. Sie präsentierten sich als Befreier: "Die Streitkräfte und Sicherheitskräfte haben einstimmig beschlossen, den totalitären Praktiken des abgesetzten Regimes ein Ende zu bereiten, unter dem unser Volk in den vergangenen Jahren stark gelitten hat", verkündeten sie. In den zwei Jahren ihrer Herrschaft wollen sie "offene und transparente" demokratische Institutionen schaffen.
Teile der mauretanischen Streitkräfte sind in den vergangenen Monaten von US-Ausbildern geschult worden. Zuletzt im Juni hatten die USA Spezialkräfte nach Mauretanien entsandt, um die dortigen Soldaten im Anti-Terror-Kampf zu trainieren. Die Afrikanische Union (AU) und die Vereinten Nationen verurteilten den Staatsstreich. In einer Erklärung aus New York hieß es, Uno-Generalsekretär Kofi Annan verurteile "jeden Versuch, die Regierung jedweden Landes unter Verstoß der Verfassung zu ändern". Ähnlich äußerte sich AU-Kommissionspräsident Alpha Oumar Konare.