Raketentests Nordkorea droht mit Gewalt
Seoul - Das Land werde Gewalt einsetzen, wenn es zu einem Ende der Tests gezwungen werde, sagte heute ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang im staatlichen Fernsehen, das berichtet die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. Der Raketenabschuss habe nichts mit den Sechs-Parteien-Gesprächen über das Atomprogramm des Landes zu tun. Die Tests hätten die Fähigkeit des Landes zur Selbstverteidigung gestärkt.
Auch gegenüber der Uno hat Nordkorea seinen Tonfall verschärft. Ein Gesandter des Landes warnte die Vereinten Nationen: Pjöngjang sei im Falle von Sanktionen durch den Sicherheitsrat zu "Gegenmaßnahmen" bereit. "Wenn Strafmaßnahmen verhängt werden, wird es radikale Gegenmaßnahmen geben", sagte der stellvertretende Botschafter bei der Uno, Han Song Ryol, heute dem japanischen Fernsehsender TBS.
Nordkorea hatte am gestrigen Mittwoch mindestens sieben Raketen - darunter eine Langstreckenrakete - getestet und damit die internationale Staatengemeinschaft alarmiert. Die Tests schlugen nach Angaben der USA und Japans fehl.
Das Land bereitet laut NBC bereits einen weiteren Start vor. Dabei handele es sich offenbar erneut um eine Langstreckenrakete, die Experten zufolge Alaska erreichen kann, berichtete der TV-Sender unter Berufung auf US-Regierungsvertreter.
Die USA hatten betont, dass die Regierung in Pjöngjang mit den jüngsten Tests ihre Position in den Sechs-Parteien-Gesprächen über ihr Raketen- und Atomprogramm geschwächt habe. An den Gesprächen - die seit einiger Zeit auf Eis liegen - sind neben Nordkorea und den USA auch Südkorea, Russland, China und Japan beteiligt.
Washington und Japan haben einen Resolutionsentwurf für den Sicherheitsrat ausgearbeitet, der Sanktionen gegen Pjöngjang vorsieht. Darin heißt es, dass der "Transfer von Finanzressourcen, Gütern, Materialien und Technologie, die für Raketenprogramme oder andere Massenvernichtungswaffen-Programme benutzt werden könnten, verhindert werden soll". Es wird jedoch erwartet, dass der Paragraph zu den Strafmaßnahmen aus dem Entwurf gestrichen werden würde, da Russland und China Sanktionen gegen Pjöngjang ablehnen. Experten des Sicherheitsrats wollen heute erneut über das Papier beraten.
US-Präsident George W. Bush und der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi verständigten sich heute darauf, gemeinsam auf eine "feste Position" des Uno-Sicherheitsrats gegenüber Pjöngjang zu drängen. Beide seien sich in einem Telefonat einig gewesen, dass die internationale Gemeinschaft die Raketentests verurteilen müsse, sagte ein Sprecher des japanischen Außenministeriums.
ler/reuters/AFP