Reaktion aus Luxemburg Die Deutschen bringen ihr Geld nicht zurück
Luxemburg - Die neue Zinssteuer wird nach Einschätzung des Chefs der luxemburgischen Bankenvereinigung ABBL, Lucien Thiel, nicht zu einem Abzug von deutschem Kapital aus Luxemburg führen. "Der Psychoterror deutscher Politiker auf die Anleger ist seit Jahren so groß, dass Schwarzanleger längst das Weite gesucht haben", sagte Thiel am Montag der Deutschen Presseagentur.
Deutsche Kunden blieben dem Bankenplatz nicht wegen des Bankgeheimnisses treu, sondern wegen der guten Dienstleistungen und spezieller Angebote, die sie zu Hause nicht bekämen. Mit einer Amnestie lasse sich die geplante Rückholaktion von Kapital nicht versüßen, meinte Thiel. "Nicht jeder gute Bankkunde in Luxemburg ist schließlich ein Steuersünder."
"Deutschland lässt aber mit diesem Schachzug erstmals von einem allgemeinen Angriff auf das Bankgeheimnis ab", betonte Thiel. Das jetzige Vorgehen sei cleverer als die zunächst diskutierte Vermögen- und die höhere Erbschaftsteuer. So gesehen, bringe die nun geplante Abgeltungsteuer mehr Ruhe in die Finanzwelt. Das deutsche Vorgehen öffne auch neue Türen für eine möglicherweise einheitliche Regelung in Europa. "Man wundert sich allerdings, dass Deutschland erst heute so weit ist, obschon einige EU-Länder sich schon vor Jahren für eine Quellensteuer einsetzten", sagte Thiel.
Die rot-grüne Bundesregierung erwartet dank einer Amnestie für Steuersünder einen Rückfluss von Schwarzkapital in Höhe von rund 100 Milliarden Euro vor allem aus Luxemburg und der Schweiz, aber auch aus anderen Ländern.