Reaktionen Ein bisschen Gratulation
Hamburg - "Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind eine wichtige Grundlage für unsere Politik und werden es bleiben, ganz egal wer die Wahl gewinnt", bekräftigte Bundesinnenminister Otto Schily heute. "Jede amerikanische Regierung steht vor einem Berg von Problemen. Sie wissen, der Irak-Konflikt ist längst nicht gelöst. Sie müssen dort zu stabilen Verhältnissen kommen." Die Bundesregierung beteilige sich durch die Ausbildung von Sicherheitskräften am Aufbau einer friedlichen, demokratischen Gesellschaft im Irak. An dieser Aufgabe müssten alle mitwirken.
Auch Außenminister Joschka Fischer betonte die Bereitschaft der Bundesregierung betont, unabhängig vom Ausgang der US- Präsidentenwahl mit jeder amerikanischen Regierung zu kooperieren. "Wir arbeiten mit jeder Regierung bestens zusammen", sagte Fischer. Die internationale Politik stehe vor schwierigen Herausforderungen, die ohne eine enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa nicht zu bewältigen seien. Die USA seien der wichtigste Partner und Alliierte Berlins außerhalb Europas.
Karsten Voigt, Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, hält einen Sieg von George W. Bush für sehr wahrscheinlich. Die Bundesregierung werde sich auf jeden Fall um eine möglichst enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm bemühen, sagte er im WDR. Alle wären klug beraten, wenn sie jetzt nicht "die vergangenen Streitigkeiten noch mal aufwärmen" würden.
Hans-Ulrich Klose, stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, wandte sich gegen eine emotionale Bewertung des amerikanischen Wahlergebnisses. Angesichts eines voraussichtlichen Siegs von George W. Bush sagte Klose im RBB-Inforadio, er sehe "keinen Grund, in Panik oder Trauer zu geraten". Falls der Amtsinhaber gewinne, "wissen die Europäer, mit wem sie es zu tun haben". Umgekehrt wisse Bush, was er "von den Europäern erwarten oder abfordern kann und was nicht".
Der russische Staatschef Wladimir Putin würdigte Bush als einen zuverlässigen Partner. Sollte sich Bushs Vorsprung bei der Präsidentenwahl bestätigen, hätte das amerikanische Volk gezeigt, dass es den Drohungen des internationalen Terrorismus nicht nachgebe, sagte Putin auf einer Pressekonferenz in Moskau. Die Beziehungen zwischen Russland und den USA hätten sich unter Bushs Präsidentschaft "zum Wohl unserer Völker und der globalen Sicherheit" verbessert, sagte Putin weiter. Bush sei ein Mann mit starkem Charakter. "Wenn er wiedergewählt ist, werden wir ihm gratulieren".
Der spanische Außenminister Miguel Angel Moratinos erklärte: "Wer auch immer der Gewinner ist - unsere Regierung wird die Beziehung zu den USA, welche uns Verbündeter und Freund sind, verstärken." Im Kampf gegen den Terrorismus könnten sich die USA auf Spanien verlassen.
Igor Iwanow, Sekretär des Russischen Sicherheitsrates, sagte der Nachrichtenagentur Interfax: "Die Beziehungen zwischen Russland und den USA sollten strategischen Natur sein. So sehen wir das in Russland." Die Wahl sei Sache der US-Bürger. "Wir werden mit dem zusammenarbeiten, den die US-Bürger gewählt haben."
Der irakische Ministerpräsident Ijad Alawi sagte der italienischen Zeitung "Repubblica": "Wer auch gewinnt, er ist unser Freund. Die Vereinigten Staaten haben uns von einem Diktator befreit, aus einer sehr langen Zeit des Krieges und des Schmerzes. Wir werden Amerika immer dafür dankbar sein, was es getan hat und noch immer tut."
Kwasniewski freut sich über Bush-Sieg
Der israelische Außenminister Silwan Schalom erklärte: "Im Fall von US-Präsident George W. Bush und Kandidat John Kerry gibt es keine signifikanten Unterschied wenn es um ihr tiefe und warmherzige Unterstützung für Israel geht."
Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski sagte, eine weitere Zusammenarbeit mit George W. Bush sei "eine gute Nachricht", denn Bush "kenne und respektiere Polen". Über den Wahlerfolg Bushs zeigte sich Kwasniewski nicht überrascht. In den USA werde Bush Geradlinigkeit als Stärke angesehen, während sie in Europa als Schwäche empfunden werde.
In Iran versammelten sich Tausende Menschen zu anti-amerikanischen Demonstrationen, um an die Besetzung der US-Botschaft zu erinnern, die heute vor 25 Jahren stattfand. Vor der ehemaligen US-Mission skandierten die Demonstranten: "Tod Amerikas" und "Tod Israels". Die Teilnehmer seien fast ausschließlich Schulkinder, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Augenzeugen. Die Protestler verbrannten auch die Fahnen der USA und Israels.
Weitere Reaktionen aus Europa und Asien:
Tony Blair, Britischer Premier:
"Das Haus gratuliert wärmstens Präsident... Karzai von Afghanistan."
John Prescott, Vize-Premierminister Großbritanniens:
"Wir müssen abwarten und sehen, was das amerikanische Volk zu sagen hat und uns an die vorherige Wahl und Florida erinnern - auch wenn es so aussieht, als sei dort diesmal eine klare Entscheidung getroffen worden."
Franco Frattini, italienischer Außenminister:
"Die Aufrechterhaltung einer engen Beziehung zu den Vereinigten Staaten ist eine Notwendigkeit, der man sich in Italien und der Europäischen Union sehr bewusst ist."
Göran Persson, schwedischer Ministerpräsident:
"Bush hat nicht mit Handels-Hindernissen gedroht, Kerry hat es getan, so dass es es in dieser Hinsicht vielleicht einfacher wird."
Anders Fogh Rasmussen, dänischer Ministerpräsident:
"Es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten ein gespaltenes Land sind und ich glaube, dass Bush alles unternehmen wird, um die Wunden zu heilen."
Kjell Magne Bondevik, norwegischer Ministerpräsident:
"Unter Bush haben sich zwischen Europa und den Vereinigten Staaten Spannungen entwickelt... Ich hoffe, dass er versuchen wird, Brücken zu bauen...und mehr mit internationalen Organisationen kooperiert."
Hubert Vedrine, ehemaliger französischer Außenminister:
"Es wird aus weltweiter Sicht ohne Zweifel eine Art Katzenjammer geben, da nahezu alle Nationen - mit drei oder vier Ausnahmen...einen Wechsel wollten."
Junichiro Koizumi, japanischer Ministerpräsident:
"Es scheint, dass wie erwartet ein Kopf-an-Kopf-Rennen andauert. Ich bin überzeugt, an der grundlegenden Freundschaft zwischen Japan und den USA wird sich nichts ändern, ganz gleich, welcher Kandidat gewinnt."
Peter Kellner, politischer Analyst aus Großbritannien:
"Ich bin sicher, dass nahezu das gesamte Kontinental-Europa auf einen Kerry-Sieg gehofft hat, und wenn sie den nicht bekommen, wird eine Menge Verzweiflung in Europa geben."