Rede an die Nation Bush will Truppenstärke im Irak reduzieren
Washington - "Je erfolgreicher wir sind, desto mehr amerikanische Truppen können heimkehren", wird George W. Bush bereits vorab aus seiner Rede zitiert. Nach Angaben eines Regierungsbeamten in Washington wird der US-Präsident einen Teilabzug der Truppen aus dem Irak bekanntgeben. Er habe dem Vorschlag des Oberkommandierenden im Irak, General David Petraeus, zugestimmt, rund 5700 Soldaten bis zum Ende des Jahres nach Hause zu bringen. Ein Sprecher des Pentagon sagte, der Präsident werde weiter den Abzug von fünf Kampfbrigaden bis Mitte 2008 ankündigen. Eine Brigade besteht aus etwa 4000 Soldaten.
Seine Strategie, die weiterhin eine Stationierung von etwa 130.000 Soldaten im Irak vorsieht, bezeichnet Bush laut dem Redetext als Brücke zwischen widersprüchlichen Interessen. Auf der einen Seite gebe es Leute, die die Truppen nach Hause bringen wollten. Auf der anderen Seite gebe es die Überzeugung, dass der Erfolg im Irak von wesentlicher Bedeutung für die Sicherheit der USA sei.
Mit dem von ihm gezeichneten Weg könnten beide Seiten zusammenkommen, sagt Bush und fügt hinzu: "Einige sagen, dass unsere Fortschritte im Irak zu spät kommen. Sie irren sich. Es ist nie zu spät, der al-Qaida einen Schlag zu versetzen. Es ist nie zu spät, um die Freiheit voranzubringen. Und es ist nie zu spät, unsere Truppen in einem Kampf zu unterstützen, den sie gewinnen können."
Nach dem Plan von Petraeus sollen bis zu 30.000 Soldaten schrittweise bis Mitte 2008 abgezogen werden. Der General spricht dabei von 21.000 Soldaten aus Kampfverbänden und einer noch nicht feststehenden Zahl von Versorgungseinheiten. Da unklar sei, wie viele Versorgungssoldaten in dem Land benötigt würden, sei es verfrüht, schon jetzt die Gesamtzahl der für einen Abzug in Frage kommenden Soldaten zu nennen, sagte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums.
Petraeus hatte in dieser Woche vorgeschlagen, die ersten 2000 Soldaten schon in diesem Monat und eine weitere Brigade mit annähernd 4000 Mann im Dezember abzuziehen. Damit würde die Truppenstärke bis Juli 2008 wieder auf etwa 135.000 Mann reduziert, also auf den gleichen Stand wie bis Anfang dieses Jahres.
Nach den vorab veröffentlichten Redeauszügen will Bush die US-Bürger darauf einstimmen, dass die Vereinigten Staaten dem Irak noch über das Ende seiner Amtszeit im Januar 2009 hinaus militärische und wirtschaftliche Hilfe leisten müssen. Der Präsident will seine Landsleute außerdem darauf einschwören, dass es im grundlegenden Interesse der USA sei, Chaos in der Region zu vermeiden und den Menschen Hoffnung zu geben.
Nur ein Drittel der Bürger unterstützt Bushs Irak-Politik
Im Volk hat Bush indes für seine Irak-Politik wenig Unterstützung. Nur 33 Prozent der US-Bürger bejahen diese. Dies entspricht auch dem Wert für die Zufriedenheit mit Bushs Regierung insgesamt, wie aus den heute veröffentlichten Ergebnissen einer Umfrage der Nachrichtenagentur AP hervorgeht. Damit liegt Bush nur einen Prozentpunkt über seinem Allzeit-Tief von 32 Prozent, das seit Ende vergangenen Jahres mehrmals ermittelt wurde.
Dabei gehört die Außenpolitik in den Augen der amerikanischen Öffentlichkeit noch zu den Stärken des Präsidenten - hier ergab sich eine Zufriedenheit von insgesamt 40 Prozent. Hingegen sind nur 28 Prozent der Ansicht, dass sich die Vereinigten Staaten in die richtige Richtung entwickelten. Diese skeptische Einschätzung geht nicht nur auf das Konto des Präsidenten - eine noch geringere Zustimmung hat der Kongress mit 26 Prozent. Die Umfrage wurde vom 10. bis 12. September vorgenommen. Das Meinungsforschungsinstitut Ipsos befragte dafür 1000 Erwachsene.
Demokraten verschärfen Ton gegen Bushs Irak-Politik
Die Demokraten im US-Kongress haben schon vor der Fernsehansprache Bushs ihre Kritik an dessen Irak-Politik verschärft. Der Präsidentschaftskandidat John Edwards kaufte beim Sender MSNBC zwei Minuten Sendezeit für die Ausstrahlung eines Fernsehspots im direkten Anschluss an die Rede Bushs. Darin wirft er dem Präsidenten vor, "an der einzigen Strategie festzuhalten, die er je gehabt hat - mehr Zeit, mehr Truppen und mehr Krieg". Der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Harry Reid, kündigte für die nächste Woche einen Vorstoß an, "um den Kriegskurs zu ändern".
Zehn Tage nach einem Treffen mit Bush wurde heute ein sunnitischer Klanführer bei einem Bombenanschlag getötet. Abdul Sattar Abu Rischa und zwei seiner Leibwächter kamen in der Nähe der Provinzhauptstadt Ramadi ums Leben. Abu Rischa war der Vorsitzende des "Rettungsrats" der Provinz Anbar, einem Bündnis sunnitischer Klans, die sich von der sunnitischen Aufstandsbewegung distanziert und auf die Seite der USA und der irakischen Regierung geschlagen haben. Ein Pentagon-Sprecher bezeichnete den Tod Abu Rischas als schweren Rückschlag für den Kampf gegen die Aufstandsbewegung.
Die US-Streitkräfte meldeten unterdessen die Gefangennahme von 80 mutmaßlichen Aufständischen bei einer dreitägigen gemeinsamen Militäraktion mit irakischen Truppen im Osten des Iraks. Unter den Gefangenen sollen sich vier mutmaßliche Anführer von Qaida-Zellen im Irak befinden. Drei Verdächtige wurden den Angaben zufolge getötet.
Sechs Menschen wurden heute bei einem Bombenanschlag im Bagdader Stadtteil Sadr City getötet, wie die Polizei mitteilte. Der Sprengsatz sei unter einem geparkten Auto explodiert. 18 Menschen seien verletzt worden. Die Bombe galt den Angaben zufolge offenbar einem US-Konvoi, verfehlte jedoch ihr Ziel.
kai/AP/Reuters/dpa