Regierungsbildung Indien: Sonia Gandhi tritt nicht an - DER SPIEGEL
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Regierungsbildung Indien Sonia Gandhi tritt nicht an

Sonia Gandhi verzichtet auf das Amt der indischen Ministerpräsidentin. Vor Abgeordneten ihrer bei den Wahlen siegreichen Kongresspartei sagte sie unter lautstarkem Protest: "Ich muss diesen Posten demütig ablehnen."
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Neu Delhi - Gandhi sagte vor den Abgeordneten in Neu-Delhi weiter, sie folge mit dem Verzicht auf das mächtigste Amt in Indien ihrer inneren Stimme. Während ihrer Verzichtserklärung war es zu tumultartigen Szenen gekommen. Gandhi musste ihre Rede mehrfach unterbrechen.

Sitaram Yechuri, Führer der Kommunistischen Partei Indiens, sagte, man werde sich nach einem anderen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten umschauen.

Als möglicher Kandidat wurde der frühere Finanzminister Manmohan Singh gehandelt, dem die Bündnispartner der Kongresspartei allerdings zustimmen müssen.

Gandhi bat die Parlamentarier, ihren Amtsverzicht zu akzeptieren. Die 57-Jährige sagte, der Druck auf sie sei groß, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. "Aber ich werde sie nicht rückgängig machen", sagte sie unter Tränen. Es sei nie ihr Ziel gewesen, indische Ministerpräsidentin zu werden.

Vor den entsetzten Abgeordneten, die sich in der zentralen Halle des Parlaments in Neu-Delhi versammelt hatten, sagte der Parlamentarier Mani Shankar Aiyei mit brechender Stimme an Gandhi gerichtet: "Die innere Stimme des indischen Volks sagt, Sie müssen Ministerpräsidentin werden."

Die aus Italien stammende Gandhi hatte zuvor Spitzenpolitiker ihrer Partei und Bündnispartner darüber informiert, dass sie auf das Amt möglicherweise verzichten werde. Dies meldete der Nachrichtensender NDTV. Die bisherige Regierungskoalition NDA hatte Gandhi wegen ihrer ausländischen Herkunft massiv angegriffen.

Auch aus der Umgebung von Sonia Gandhi war zu hören, sie habe wegen der Kontroverse über ihre Herkunft kein Interesse mehr an dem Amt. Die Partei dränge sie aber, doch Regierungschefin zu werden.

Die Vorsitzende der Kongresspartei hatte zuvor nach einem Treffen mit Präsident A.P.J. Abdul Kalam gesagt, es seien weitere Gespräche notwendig. Sie werde morgen nochmals mit dem Präsidenten zusammentreffen. Gründe für die Verzögerung hatte Gandhi nicht genannt.

Nach Angaben aus Kreisen der künftigen Regierungskoalition hätte Gandhi eigentlich schon morgen vereidigt werden sollen. Treffen des Mehrheitsführers im Parlament mit dem Präsidenten enden nach einer Wahl in Indien für gewöhnlich damit, dass der- oder diejenige mit der Regierungsbildung beauftragt wird. Auf die Frage, wann sie die Regierung bilden werde, sagte Gandhi zunächst: "Sobald wie möglich." Ihre Koalition hat im Parlament nicht die absolute Mehrheit, kann aber auf die Unterstützung von zwei kommunistischen Parteien zählen.

Die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Regierung hatte gestern zum größten Verlust in der Geschichte der indischen Börse geführt. Heute erholte sich der Aktienmarkt aber wieder. Der Leitindex Sensex der Börse in Bombay stieg zur Eröffnung um 5 Prozent auf 4722 Zähler, der Nifty-Index der Nationalen Börse legte 5,6 Prozent auf 1.466 Punkte zu. Beide waren am Vortag um 15,5 Prozent beziehungsweise 17,5 Prozent abgerutscht. Grund für die Verluste waren Sorgen der Anleger, die neue Regierung könnte die Privatisierung von Staatsbetrieben stoppen und Reformen rückgängig machen, um eine Regierungsbeteiligung der Kommunisten zu erreichen.