Rivalisierende Schiiten: Moderater Geistlicher wird belagert - DER SPIEGEL
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Rivalisierende Schiiten Moderater Geistlicher wird belagert

Zwischen rivalisierenden irakischen Schiiten-Gruppen ist es in der heiligen Stadt Nadschaf offenbar erneut zu einer Konfrontation gekommen.
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Nadschaf/Kuweit-Stadt - Nach einem Reuters-Bericht habe eine bewaffnete Menge das Haus des führenden Klerikers Ali Sistani umstellt und seine Ausreise verlangt, sagte ein Berater Sistanis am Sonntag der Nachrichtenagentur Reuters in Kuweit-Stadt. Sistani gilt als gemäßigt und hatte als Vermittler mit den einrückenden US-Truppen verhandelt.

Die Menge gehöre zur Dschimaat-e-Sadr-Thani- Gruppe. Diese war beschuldigt worden, am Donnerstag den führenden Kleriker Abdul Madschid al-Choei ermordet zu haben. Ein Choei-Berater sagte, Sistani habe das Haus verlassen können und sei untergetaucht. "In Nadschaf herrscht der totale Terror", sagte der Sistani-Vertraute.

"Bewaffnete Schläger und Hooligans belagern seit gestern das Haus von Ajatollah Sistani", sagte dessen Berater Abulkasim Dibadschi. "Sie haben ihm gesagt, entweder er verlässt den Irak innerhalb von 48 Stunden, oder sie greifen an." Der Choei- Berater Abed al-Budairi sagte, Sistanis Sohn befinde sich noch in dem Gebäude. Die Menge habe Messer und Gewehre.

Streit um heilige Stätten

Budairi wie Dibadschi warfen dem 22-jährigen Anführer von Dschimaat-e-Sadr-Thani, Moktada Sadr, vor, die Macht an sich reißen zu wollen. "Moktada will die heiligen Stätten des Irak unter seine Kontrolle bringen", sagte Dibadschi. Budairi sagte, Sistani werde angefeindet, weil er iranischer Abstammung sei. Die radikalen Gruppen wollten einen Iraker als geistiges Oberhaupt des Landes. Choei war vor seiner Tötung aus dem Londoner Exil in den Irak zurückgekehrt. Er stand wegen seiner Kontakte zu den USA in der Kritik.

Nadschaf ist eine zentrale Pilgerstätte der Schiiten, neben den Suniten die zweite große Strömung des Islam. Dort steht das Grab von Imam Ali, einem Schwiegersohn des Propheten Mohammed. Die Stadt könnte nach Ansicht von Experten wie dem Kleriker Mohammad Bakir Mohri nach dem Sturz von Präsident Saddam Hussein zu dem Zentrum der schiitischen Welt werden. Saddam hatte die schiitische Mehrheit des Irak unterdrückt. Der benachbarte Iran ist ein schiitischer Religionsstaat. Die US-Truppen haben sich auf Grund der religiösen Bedeutung der Stadt bisher weitgehend ferngehalten.

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