Rom Angst vor Welternährungsgipfel
Rom - Wegen der Krawalle während des G-8-Gipfels in Genua hat die italienische Regierung jetzt den im November in Rom geplanten Welternährungsgipfel in Frage gestellt. Ministerpräsident Silvio Berlusconi möchte aus Furcht vor ähnlichen Vorkommnissen das Treffen in ein anderes Land verlegen. Zu diesem Zweck führte die Regierung bereits Gespräche mit der in Rom ansässigen Uno-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO).
FAO-Sprecher Nick Parsons äußerte Verständnis für die Besorgnisse der italienischen Regierung. Eine Verlegung der Konferenz wäre jedoch aus finanziellen und logistischen Gründen sehr schwierig, sagte er. Das Gespräch zwischen dem Generalsekretär des italienischen Außenministeriums, Giuseppe Baldocci, und FAO-Generaldirektor Jacques Diouf charakterisierte Parsons als sehr freundlich. Weitere Unterredungen würden in den nächsten Tagen folgen. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, sagte der Sprecher.
Konferenz in einem Land der Dritten Welt? Bezugnehmend auf die Zusammenstöße am Rande des G-8-Gipfels sagte Parsons: "Wir können die Vorkommnisse von Genua nicht ignorieren. Niemand kann das." Die kurzfristige Verlegung des Gipfels, zu dem Anfang November Staats- oder Regierungschefs aus 180 Staaten erwartet werden, ist nach den Worten Parsons schwierig, nicht zuletzt wegen der Sicherheitsvorkehrungen. Die Konferenz soll in der Zentrale der FAO in Rom stattfinden, wo die entsprechenden Konferenzräume zur Verfügung stehen.
Die Mehrkosten, die bei einer Verlegung entstehen würden, wären für die Hungernden in der Welt besser angelegt, gab Parsons zu bedenken. Er sagte aber auch, dass eine solche Konferenz in Rom ohne die Zustimmung der italienischen Regierung nicht vorstellbar wäre. Unter Hinweis auf das gute Verhältnis zwischen der FAO und der italienischen Regierung äußerte Parsons die Hoffnung, dass es zu einer Einigung kommen werde.
Der italienische Landwirtschaftsminister Giovanni Alemanno sprach sich für die Verlegung des Gipfels in ein Entwicklungsland aus. Davon könnten die Länder der Dritten Welt sogar profitieren, da die Konferenz zum Ziel habe, die Ernährungsprobleme der Armen der Welt zu lösen. In den italienischen Medien wurde als möglicher neuer Konferenzort bereits die kenianische Hauptstadt Nairobi genannt. FAO-Sprecher Parsons wies diese Spekulationen als voreilig zurück.