Rumsfeld im Irak "Hallo, ich bin Don"
Bagdad - In seiner Rede an das irakische Volk sicherte Rumsfeld zu, dass die US-Truppen das Land so bald wie möglich wieder verlassen. Rumsfeld ließ die Rede in Bagdad zur Ausstrahlung per Rundfunk und Fernsehen aufnehmen.
"Hallo, ich bin Don Rumsfeld, der amerikanische Verteidigungsminister. Ich freue mich, im Irak zu sein - Ihrem Land - und Ihre Befreiung zu sehen." Mit diesen Worten begann Rumsfeld seine Rede, die in einem Repräsentationsraum des Palastes des entmachteten Präsidenten Saddam Hussein aufgezeichnet wurde. Sie soll vom US-Militär gesendet werden.
Die Aufgabe der von den USA geführten Soldaten im Land sei es, den Irakern dabei zu helfen, in ihrem Land die Kontrolle zu übernehmen und den Wechsel von der Tyrannei zu Freiheit und einer Selbstverwaltung zu schaffen, sagte Rumsfeld. "Lassen Sie es mich klar sagen: Der Irak gehört Ihnen. Wir wollen das Land nicht regieren. Unsere Koalition ist mit einem bestimmten Ziel in das Land gekommen - nämlich, ein Regime zu stürzen, dass Sie und Ihre Familien unterdrückt und uns bedroht hat."
"Unser Ziel ist es, Stabilität und Sicherheit wiederherzustellen, damit Sie eine Übergangsregierung und schließlich eine freie irakische Regierung bilden können - eine Regierung Ihrer Wahl, eine Regierung nach irakischen Vorstellungen und irakischen Wünschen", sagte Rumsfeld. "Wir werden so lange bleiben, wie es nötig ist, Ihnen dabei zu helfen, das zu tun, und keinen Tag länger."
"Das amerikanische Volk teilt Ihre Freude darüber, dass die Tyrannei vorbei ist", sagte Rumsfeld. "Wir haben gesehen, wie Sie Ihre Freiheit begrüßt haben - wie Sie Denkmäler Saddam Husseins gestürzt haben, wie Sie zum ersten Mal seit Jahrzehnten in Freiheit gebetet haben, wie Sie über die Zukunft Ihres Landes diskutieren und sich darüber streiten, ohne Furcht vor Folter oder Tod."
Rumsfeld forderte die Menschen zudem auf, mit den US-Soldaten zusammenzuarbeiten und mitzuhelfen, dass die übrig gebliebenen Helfer der Saddam-Herrschaft aufgespürt und bekämpft werden könnten. "Ein besseres Leben im Irak hängt davon ab, dass wir die Reste des Regimes finden und sicherstellen, dass ... ihr Einfluss beendet wird."
Rumsfeld ist das bislang ranghöchste Mitglied der US-Regierung, das den Irak seit Ende des Krieges besucht. Der Minister war nach einem Zwischenstopp im südirakischen Basra auf dem Internationalen Flughafen Bagdads gelandet. Er will in Bagdad mit dem Chef der Zivilverwaltung, dem ehemaligen US-General Jay Garner, sprechen. Rumsfelds Aufenthalt im Irak ist Teil einer mehrtägigen Reise durch die Golfregion. Aus Sicherheitsgründen hatte das US-Verteidigungsministerium zunächst offen gelassen, ob er auch den Irak besuchen würde.
Bei seiner Zwischenlandung in Basra sprach Rumsfeld mit Oberbefehlshabern der britischen Streitkräfte, die Hauptverbündete der USA in dem am 20. März begonnen Irak-Krieg waren. "Ich hoffe und bete, dass im Rückblick auf diese Leistung die Bedeutung in der großen Zahl von intelligenten und tatkräftigen Menschen gesehen werden wird, die befreit wurden", sagt er. Er sei zuletzt vor 20 Jahren zusammen mit dem damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan im Irak gewesen. Damals habe er Gespräche mit Saddam geführt, weil die USA Verbündete gesucht hatten, um den Einfluss Irans zurückzudrängen.
Der Pentagon-Chef hat wiederholt erklärt, seine einwöchige Reise sei kein Triumphzug nach dem faktisch gewonnenen Irak-Krieg. Die US-geführten Truppen hatten den Krieg am 20. März begonnen und Bagdad am 9. April eingenommen. Rumsfeld gehört zu den wichtigsten Planern des Feldzugs, der in den ersten zwei Wochen heftig kritisiert wurde.