Samarra US-Armee befreit türkische Geisel
Bagdad - Am Vormittag zählten Ärzte in der Notaufnahme des Allgemeinen Krankenhauses von Samarra 25 Tote und 56 Verletzte. Die tatsächliche Opferzahl sei wahrscheinlich deutlich höher, da viele Verletzte wegen der noch andauernden Kämpfe noch nicht zur Klinik gebracht worden seien, sagte der Arzt Jussif Mahmud. Bei der befreiten türkischen Geisel soll es sich um einen Bauarbeiter mit dem Namen Yahlin Kaya handeln.
Das US-Militär sprach von etwa 80 getöteten Kämpfern und zwei verletzten amerikanischen Soldaten. Der US-Nachrichtensender CNN berichtete, für die Militäraktion, die einer der größten in den vergangenen Monaten ist, habe die US-Armee eine Brigade eingesetzt. Das sind im Normalfall etwa 3500 Soldaten. In einer Erklärung des Militärs in Tikrit hieß es, an der Operation, die auf Wunsch der irakischen Übergangsregierung und der Bewohner von Samarra begonnen worden sei, beteiligten sich rund 1000 Nationalgardisten. Laut Augenzeugen flohen zahlreiche Familien aus Samarra in Richtung al-Dur. Sie berichteten, die US-Armee habe fast alle Zufahrtswege zur Stadt blockiert.
Die Offensive sei eine Reaktion auf wiederholte Angriffe Aufständischer in Samarra, das neben Falludscha und dem Bagdader Elendsviertel Sadr City als wichtigstes Widerstandszentrum gilt, teilte das US-Oberkommando heute in Bagdad mit. Ziel sei die Sicherung von Verwaltungs- und Polizeigebäuden. Ein ungehinderter Zugang zur Stadt sei "nicht verhandelbar".
Wie eine Reporterin des US-Fernsehsenders CNN berichtete, erreichten die Truppen bereits am frühen Morgen das Zentrum von Samarra. Sie durchkämmten die etwa 110 Kilometer nördlich von Bagdad gelegene Stadt Sektor für Sektor. Gebäude und auch Moscheen würden durchsucht. Explosionen und die Detonation von Panzergranaten waren zu hören. Es wurden bei dem Angriff auch Panzer und die Luftwaffe eingesetzt. In einigen Vierteln sei der Strom abgeschaltet worden.
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Die Offensive richte sich gegen rund 2000 irakische Aufständische sowie 250 ausländische Kämpfer, die in der Stadt vermutet würden. Seit Dienstag waren in Samarra vermummte Bewaffnete aufgetaucht, die in den Straßen Autofahrer und Passanten anhielten und die Herausgabe von Musikkassetten verlangten. Im Austausch gaben sie ihnen Bänder mit Rezitationen von Koranversen.
Samarra war seit einiger Zeit unter Kontrolle Aufständischer und eine so genannte No-go-Zone für US-Soldaten. Die Amerikaner kehrten am 9. September einmal zurück, um ein Friedensabkommen mit Stammesführern zu schließen. Sie sagten Millionen von Dollar für den Wiederaufbau zu, wenn die Angriffe auf amerikanische und irakische Sicherheitskräfte aufhörten. In den vergangenen Wochen kam es aber immer öfter zu neuen Zusammenstößen.
Sarkawis Terrorgruppe bekennt sich zu Anschlägen
Die Terrorgruppe von Abu Mussab al-Sarkawi bekannte unterdessen sich zu den drei Autobombenattacken, die gestern Bagdad erschütterten. In einer Erklärung auf einer Internetseite der Islamisten hieß es, Anschlagziele seien das Rathaus von Abu Ghureib gewesen sowie ein Konvoi der "Invasoren". Die Bomben explodierten, als ein US-Militär-Konvoi an einer Kläranlage vorbeifuhr, an der gerade eine Eröffnungsfeier stattfand. Die erste Bombe explodierte, als Kinder neben dem Auto herliefen, um von den Soldaten verteilte Süßigkeiten einzusammeln. Zwei weitere detonierten kurz darauf, als Menschen den Verletzten zu Hilfe eilten. Bei der Explosion wurden 41 Menschen getötet und 140 weitere verletzt. Sarkawis Terrorgruppe Tawhid wa Dschihad hält auch die britische Geisel Kenneth Bigley fest und hat bereits mehrere US-Geiseln enthauptet.
Die Extremistengruppe "Islamische Armee im Irak" erklärte zudem in einem Video, das al-Dschasira in Auszügen ausstrahlte, sie habe sechs Iraker, zwei Libanesen und zwei Indonesierinnen als Geiseln genommen. Die Entführten arbeiteten für eine Elektrofirma. Die Geiselnehmer gaben keinen Grund für die Entführung an und stellten zunächst auch keine Forderungen für die Freilassung der Geiseln.