Scharons Todeskampf Dritte Not-OP beendet
Jerusalem - Die Operation sei beendet worden, teilte das israelische Fernsehen am Nachmittag mit. Der Eingriff dauerte drei Stunden. Über den Ausgang ist noch nichts bekannt. Scharon werde nun erneut mit dem Computertomographen untersucht, sagte ein Sprecher der Hadassah-Klinik in Jerusalem. Danach sollten weitere Details des Operationsverlaufs bekannt gegeben werden.
Die Entscheidung, Scharon wieder in den Operationssaal zu bringen, war nach einer Computertomographie seines Gehirns gefallen, berichtete der israelischen Sender Kanal 10. Es seien neue Blutungen, leichte Schwellungen im Schädel und erhöhter Blutdruck festgestellt worden, sagte der Leiter des Krankenhauses, Schlomo Mor Josef. Außerdem sei der Schädeldruck angestiegen.
Das israelische Fernsehen berichtete, zwei Mitarbeiter Scharons seien auf dem Weg in das Krankenhaus. Auch der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert und der frühere Ministerpräsident Schimon Peres eilten in die Klinik am Stadtrand von Jerusalem.
Scharon, 77, werde noch 48 bis 72 Stunden im Koma gehalten, bevor die Ärzte ihn "schrittweise und kontrolliert" wieder wecken könnten, hatte Jussef zuvor mitgeteilt. Erst anschließend sei abzusehen, wie stark sich die Hirnblutungen bei Scharon ausgewirkt hätten. Zurzeit könne er keine Prognose darüber abgeben, welche "kognitiven oder motorischen Folgen" der Schlaganfall haben werde. Betroffen sei die rechte Hirnhälfte. Scharons Zustand sei stabil. Alle Daten entsprächen den "erwarteten Normen".
Der argentinische Arzt Felix Umansky, der das Operationsteam geleitet hatte, sagte einem spanischen Rundfunksender, es könne bis zu einer Woche dauern, bevor die Schäden abzuschätzen seien. Ein enger Vertrauter des Regierungschefs sagte jedoch, der schwere Schlaganfall habe "beträchtliche Hirnschäden" bei Scharon hinterlassen. Ähnlich äußerte sich auch ein Mitarbeiter des Hadassah-Krankenhauses.
Der Kadima-Abgeordnete Haim Ramon sagte, er bete für Scharons
Genesung. Er halte es aber für unwahrscheinlich, dass der
Regierungschef in sein Amt zurückkehren könne. Der Leiter des
neurologischen Instituts der Universität in Tel Aviv, Amos
Korschin, sagte im israelischen Fernsehen, er habe den Eindruck,
die Notoperation sei ein "verzweifelter" Versuch gewesen. "Die
Chancen für eine Genesung sind minimal."
Scharon war am Mittwochabend mit schweren Hirnblutungen in die
Klinik eingeliefert worden. Die Ärzte mussten ihn sieben Stunden
lang operieren, um die Blutungen zu stoppen, und versetzten ihn
anschließend in ein künstliches Koma. Scharons Söhne Omri und Gilad
wachten an seinem Bett. Transportminister Meir Schitrit sagte, der
77-Jährige kämpfe um sein Leben. Es war Scharons zweiter
Schlaganfall binnen drei Wochen.