Scheinarbeit: Noch eine Anklage gegen Chirac - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Scheinarbeit Noch eine Anklage gegen Chirac

Ein Untersuchungsrichter hat grünes Licht gegeben: Frankreichs früherer Staatschef Jacques Chirac muss sich in einem zweiten Prozess vor Gericht wegen Scheinarbeitsverhältnissen verantworten.
Jacques Chirac: Dem Ex-Präsident werden Scheinanstellungen vorgeworfen
Jacques Chirac: Dem Ex-Präsident werden Scheinanstellungen vorgeworfen

Jacques Chirac: Dem Ex-Präsident werden Scheinanstellungen vorgeworfen

Foto: POOL/ REUTERS
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Paris - Neuer Prozess gegen Jacques Chirac: Untersuchungsrichter Jacques Gazeaux ordnete in Nanterre ein zweites Verfahren wegen Scheinarbeit gegen den früheren Elysée-Chef an. Die Staatsanwaltschaft wollte das Verfahren einstellen, weil es keine ausreichenden Beweise dafür gebe, dass Chirac durch ein System von fiktiven Verträgen heimlich seine konservative Partei RPR mitfinanziert habe.

Chirac, 77, soll in seiner Zeit als Pariser Bürgermeister eine Reihe von Scheinarbeitsverhältnissen im Rathaus für Freunde und Vertraute geschaffen haben. Sie sollen für angebliche Jobs oder Dienstleistungen bezahlt worden sein, ohne eine Gegenleistung für die Stadt erbracht zu haben. Einige von ihnen sollen stattdessen für die RPR, einer Vorläuferin der heutigen Regierungspartei UMP, tätig gewesen sein.

In dem Verfahren in Nanterre geht es um sieben dieser Verträge. In einem weiteren Verfahren in Paris, in dem es um 21 Anstellungen geht, soll Chirac ab nächstem März wegen des Vorwurfs der Veruntreuung öffentlicher Gelder vor Gericht gestellt werden. Der Ex-Staatschef, der von 1977 bis 1995 Pariser Bürgermeister war, konnte erst nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt 2007 strafrechtlich belangt werden.

Der heute 77-Jährige hatte 43 Jahre lang öffentliche Ämter inne. Er war nicht nur zweimal hintereinander Präsident, sondern zuvor auch zweimal Regierungschef, mehrfach Minister und 18 Jahre lang Bürgermeister von Paris.

als/AFP