Schimon Peres Der ewige Verlierer
Jerusalem - Die Wahl sollte zur Krönung seiner großen politischen Karriere werden. Doch am Ende wurde der 76-jährige Friedensnobelpreisträger Schimon Peres, der weltweit geehrte und verehrte israelische Staatsmann, zur tragischen Figur. Leichenblass stand er im Plenum der Knesset, als Parlamentspräsident Avraham Burg am Montag das Ergebnis der Wahl zum 8. Staatspräsidenten Israels bekannt gab.
Schimon Peres, der mehr internationales Prestige besitzt als jeder andere noch lebende Politiker seines Landes, hatte soeben die sicher geglaubte Wahl zum achten Staatspräsidenten Israels gegen den politischen "Nobody" Mosche Katzav verloren. Wieder einmal bewies sich, was Zyniker schon seit vielen Jahren über den politisch brillanten Peres zu sagen pflegen: "Schimon Peres verliert selbst dann eine Wahl, wenn er gegen sich selbst antritt."
In seiner mehr als 50-jährigen politischen Karriere hat Schimon Peres, der am 15. August 1923 als Schimon Persky in Ost-Polen geboren wurde, praktisch alle Wahlen verloren, auch wenn er oft als haushoher Favorit angetreten war. Da nutzte es auch nichts, dass Peres, dem übermäßiger Ehrgeiz nachgesagt wird, weltweit als großer politischer Visionär und "Vordenker" der Friedenspolitik im Nahen Osten gilt.
Peres, der schon 1933 nach Palästina auswanderte, begann seine "Karriere" als Hirte in einem von ihm mitgegründeten Kibbuz, wurde Gewerkschaftsgeneralsekretär und Assistent von Staatsgründer David Ben-Gurion, bevor er seine Laufbahn im Verteidigungsministerium fortsetzte. Peres diente unter Golda Meir 1969 auf mehreren Ministerposten und unter Jifzchak Rabin 1974 als Verteidigungsminister.
1977 wurde er zum ersten Mal dessen Nachfolger als Ministerpräsident, behielt dieses Amt jedoch nur 40 Tage, weil er im selben Jahr die sichere Wahl verlor. Mit dieser Niederlage begründete er seinen negativen Ruf in Israel als "ewiger Verlierer". Peres verlor auch die Wahlen von 1981, und obwohl seine Partei aus den Wahlen 1984 als stärkste Fraktion hervorging, war er gezwungen, mit dem Likud- Block unter Jizchak Schamir eine große Koalition einzugehen.
1992, nach dem Wahlsieg der Arbeitspartei unter Jizchak Rabin, beendete Peres seinen mit harten Bandagen und Intrigen geführten parteiinternen Kampf mit Rabin und entwickelte mit ihm die neue Nahost-Friedenspolitik. Sie führte zum Abschluss der ersten Autonomieabkommen mit den Palästinensern und zum Frieden mit Jordanien.
Im Oktober 1994 erhielt er zusammen mit Rabin und Jassir Arafat dafür den Friedensnobelpreis. Nach Rabins Ermordung 1995 übernahm Peres erneut das Amt des Premiers. Doch erlitt er sechs Monate später eine neue Wahlschlappe, dieses Mal gegen Benjamin Netanjahu. Ein Jahr später verlor er auch den Vorsitz der Arbeitspartei an Barak.
Peres, der am Sonntag siegessicher bereits sein Amt als Minister für regionale Zusammenarbeit niedergelegt hatte, wurde nach Meinung politischer Beobachter letztlich ein Opfer des brutalen Machtkampfes in Jerusalem, in dem die alten politischen Wertvorstellungen kaum noch Platz haben. Doch in Israel vergisst dennoch niemand jene Anekdote, die man seit Jahren von Peres erzählt. Vor einer Parteiversammlung stellte dieser eines Tages die rhetorische Frage: "Die Leute sagen, ich sei ein Verlierer. Bin ich ein Verlierer?" Aus dem Saal kam spontan die unerwünschte Antwort: "Ja!"