Schmiergeld von Saddam Der Fall Galloway
Hamburg - Ein Reporter des "Daily Telegraph" berichtet am Mittwoch von Papieren, die er im geplünderten irakischen Außenministerium gefunden habe. Aus den Dokumenten gehe hervor, dass die irakische Führung vor drei Jahren den Wunsch George Galloways nach mehr Geld abgelehnt hat.
Auch die britische "Times" schreibt am Mittwoch über schwere Vorwürfe gegen den Abgeordneten aus Glasgow. Demnach wird gegen Galloway ermittelt, weil er Geld aus einer Spendensammlung für irakische Kinder veruntreut haben soll. Der Politiker hatte seit 1998 für den Mariam-Fonds gesammelt, benannt nach einem vierjährigen leukämiekranken Mädchen aus dem Irak. Doch von den Spenden wurden offenbar auch 14 Überseetrips Galloways bezahlt, inklusive Hotelrechnungen und Flügen - acht von ihnen in den Irak.
Bereits am Dienstag hatte der "Telegraph" berichtet, dass Galloway vom Regime Saddam Husseins jährlich mindestens umgerechnet 563.000 Euro aus dem "Öl für Lebensmittel"-Programm der Uno bekommen haben soll. Der Chef des irakischen Geheimdienstes habe im Jahr 2000 einen Brief an Saddam geschrieben, aus dem hervorgehe, dass Galloway das Geld aus Einnahmen des Programms der Vereinten Nationen erhielt. Galloway sei eine Partnerschaft mit einem irakischen Ölhändler eingegangen, um das Öl auf dem internationalen Markt zu verkaufen.
Galloway gehört dem linken Flügel der Labour-Partei an. Er ist bekannt für seinen Einsatz gegen den Irak-Krieg und die Uno-Sanktionen. Teilweise wurde er wegen seines Engagements auf der Insel als "Abgeordneter aus Bagdad" verspottet. In der Partei wurde bereits vor den aktuellen Vorwürfen darüber beraten, ihn disziplinarisch zu belangen: Galloway hatte US-Präsident George W. Bush und Premier Tony Blair wegen ihrer Kriegspolitik Wölfe genannt. Nach den jüngsten Anschuldigungen vermuten die britischen Zeitungen, dass die Fraktionsvorsitzende der Labour-Partei, Hilary Armstrong, vorschlagen wird, Galloway aus der Fraktion zu werfen - was verhindern würde, dass er als Labour-Abgeordneter wiedergewählt werden könnte. Er hat bereits angekündigt, dass er dann als unabhängiger Kandidat für Glasgow antreten werde.
Der Schotte nannte die Vorwürfe in einem Interview mit dem britischen Rundfunksender BBC "verleumderisch" und leitete inzwischen rechtliche Schritte gegen den "Daily Telegraph" ein. "Ich habe den Irak weder um Geld gebeten noch Geld von ihm für unsere Kampagne gegen den Krieg und die Sanktionen erhalten", sagte der Parlamentarier: "Ich habe niemals ein Barrel Öl gesehen, niemals eines besessen, gekauft oder verkauft." Wenn er jemals irgendwelche Geschäfte über das "Öl-für-Nahrungsmittel"-Programm gemacht hätte, so Galloway, dann müsse es bei der Uno darüber Papiere geben. "Das 'Öl-für-Nahrungsmittel'-Programm läuft nicht in Bagdad, sondern in New York bei der Uno. Wenn ich damit irgendwelche Geschäftsbziehungen gehabt haben sollte, dann liegen die Beweise in New York."
Galloway sprach von einer "Schmierenkampagne gegen diejenigen, die sich gegen den illegalen und blutigen Krieg im Irak und gegen die Besetzung durch ausländische Truppen engagiert haben". Er habe niemals Kontakte zu Mitgliedern des irakischen Geheimdienstes gehabt, wie dies in dem Zeitungsbericht behauptet werde. Er habe über die Jahre lediglich Mitglieder der politischen Führung des Landes getroffen. Die von der Zeitung vorgelegten Dokumente seien gefälscht oder manipuliert worden, um ihn zu diskreditieren, sagte der Abgeordnete.