Schröder "Gewissenlose Terroristen"
Berlin/Valkenburg - Ihm lägen zwar noch keine gesicherten Erkenntnisse über Ablauf und Hintergründe der Vorgänge vor, sagte Schröder. Das Mitgefühl mit den Opfern und Angehörigen bewege aber jeden Menschen in Deutschland - "mich natürlich auch".
Es hätten "gewissenlose Terroristen versucht, mit der Ermordung von Menschen politische Ziele zu erreichen, die dann keine mehr sein können", sagte Schröder. Näheres könne er erst auf der Basis gesicherter Informationen sagen. "Wir haben aber allen Anlass, Terrorismus dort, wo er auftritt, zu bekämpfen."
"Wir stehen vor einer schrecklichen menschlichen Tragödie", sagte der niederländische Außenminister Bernard Bot als Vorsitzender des EU-Außenministerrats am Nachmittag. "Mit größter Trauer haben wir erfahren, dass viele Geiseln getötet und Hunderte verletzt worden sind. Ich bin schockiert." Die Befreiungsaktion in der Schule von Beslan begann am Freitagmorgen genau zu der Zeit, als die Minister aus 25 EU-Staaten in der niederländischen Stadt Valkenburg bei Maastricht zu einem informellen Treffen zusammenkamen.
Es sei schwierig, aus der Ferne zu beurteilen, ob das Vorgehen der russischen Sicherheitskräfte eine richtige Entscheidung war, sagte Bot. Die russischen Behörden hätten jedoch alles getan, um eine Verhandlungslösung zu erreichen, betonte Bot. Sie hätten ihre Reaktionsmöglichkeiten sicherlich genau geprüft. In einer schriftlichen Stellungnahme hatte er zuvor bedauert, das eine friedliche Lösung "nicht möglich" gewesen sei, aber auch Verständnis gezeigt für die russische Regierung, die in einem "schrecklichen Dilemma" gesteckt habe.
Außenminister Joschka Fischer erfuhr von der Aktion erst nach der Landung bei Maastricht. Er bezeichnete den Überfall der Geiselnehmer als ein abscheuliches Verbrechen. Nichts könne es rechtfertigen, "Kinder, Kleinkinder, Babys und ihre Mütter als Geiseln zu nehmen".
Im Kampf gegen den Terrorismus gebe es keine einfache Lösung, sagte Fischer. "Wir dürfen nicht vergessen, dass wir unsere Werte auch unter schwierigen Bedingungen verteidigen müssen", sagte er und warnte davor, sich in einen "Krieg der Zivilisationen" hineinziehen zu lassen. Der Gegner, der diesen Krieg wolle, sei zu äußerster Brutalität entschlossen. Der Konflikt um Tschetschenien könne aber nur politisch gelöst werden.
Der Grünen-Politiker Ludger Volmer verteidigte das Vorgehen von Russlands Staatschef Wladimir Putin. "Ein grausames Ende war abzusehen, weil deutlich war, dass Geiselnehmer wegen der Extremität ihrer Zielsetzungen nicht zu Verhandlungen bereit sind", sagte Volmer gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Bei allen Verhandlungen, die man sonst mit Geiselnehmern führt, kann man immer davon ausgehen, dass ihnen ihr eigenes Leben lieb ist. Das ist immer ein ganz wichtiges Faustpfand. Hier haben wir kein Faustpfand, weil die Geiselnehmer bereit sind, in den Tod zu gehen."
Es sei falsch, jetzt einen "innenpolitischer Wettlauf darum, wer am vehementesten die Einhaltung von Menschenrechten fordert", zu führen, sagte Volmer. "So richtig die Einhaltung von Menschenrechten ist, sie hilft nicht. Weil sie adressiert ist an die Regierung Russlands, aber nicht an die Terrorgruppen. Die Terrorgruppen sind mit Mahnungen, Menschenrechte einzuhalten, überhaupt nicht zu erreichen."