Schwarzenegger Kandidat taucht ab
Los Angeles - Der amtierende Gouverneur Gray Davis sowie zwei weitere Kandidaten um den begehrten Posten hatten Schwarzenegger am Wochenende in Fernsehtalkshows angegriffen. Hauptkritikpunkte waren Schwarzeneggers Äußerungen zu Wirtschafts- und Einwanderungsfragen. Davis hatte ihm unter anderen vorgeworfen, keine tief greifenden Konzepte zu besitzen. "Er hat deshalb absolut kein Recht zu kritisieren, was wir getan haben", sagte Davis der Zeitung "New York Times". Tom McClintock, ein weiterer Kandidat aus den republikanischen Reihen, erklärte, Schwarzenegger habe sein Versprechen gebrochen, keine neuen Steuern zu erheben. In einer Radiosendung hatte sich Schwarzenegger zuvor geweigert, in der Steuerfrage eindeutig Stellung zu beziehen. Er sagte lediglich, dass eine Erhöhung für ihn nur im Notfall in Frage käme.
Der sonst so redefreudige Hollywoodstart wollte offenbar zu den Vorwurfen nicht direkt Stellung nehmen. Denn der Kandidat zeigt sich plötzlich Medienscheu. Bei den TV-Duellen vom Wochenende glänzte er durch Abwesenheit. In den nächsten Tagen sind im US-Fernsehen erneut vier Debatten zur Kalifornien-Wahl geplant. Schwarzenegger wird auch dann voraussichtlich nur an einer Talkshow teilnehmen.
Schwarzeneggers demokratischer Widersacher Cruz Bustamente, den er selbst als seinen schärften Konkurrenten bezeichnete, kritisierte indes die Statements des Republikaners zur Einwanderungspolitik. Einwanderungsfragen hatten in den vergangenen Tagen im Mittelpunkt seiner Kampagne gestanden. Schwarzenegger, der Ende der sechziger Jahre aus Österreich in die USA kam, unterstützt im Wahlkampf für die so genannte "1994 Initiative", die einigen Einwanderern soziale Dienste verweigern soll. Schwarzenegger will zum Beispiel allen illegalen Einwanderern den Führerschein-Erwerb verbieten.
In den US-Medien mehren sich die Vergleiche Schwarzeneggers mit dem früheren Präsidenten Ronald Reagan. Dabei schneidet Schwarzenegger jedoch meist schlechter ab. "Beide sind Filmstars, beide haben Erfahrung vor der Kamera, und beide sind sicher im Umgang mit den Medien. Und Schwarzenegger, wie Reagan, zeigt Interesse an Politik", sagte Ken Khachigian, ehemaliger Redenschreiber für Reagan, der "New York Times". Trotzdem gebe es zahlreiche Unterschiede. Reagans soziale Ansichten seien traditionell konservativ gewesen und damit eher auf der Linie der konservativen Partei. Schwarzenegger hingegen sei bei sozialen Fragen noch relativ moderat. Er hatte sich für das Recht auf Abtreibung ausgesprochen und will Marihuana für medizinische Zwecke legalisieren. Gleichzeitig lehnt er Homo-Ehen aber ab und möchte, dass in öffentlichen Schulen gebetet wird.
Am 7. Oktober können die Wähler in Kalifornien zunächst über eine Fortsetzung der Arbeit des derzeitigen demokratischen Gouverneurs Davis entscheiden. Seine Abwahl gilt als sicher, 135 Kandidaten bewerben sich um seine Nachfolge.