Schwarzenegger Vom Terminator zum Bürokrator
Washington - Bröckelnde Umfragen, eine unglückliche Ehefrau, ein "Bürgerkrieg" ("Los Angeles Times") zwischen seinen Beratern - und mittendrin Arnie, der tapfer Schüler herzt und neue Solaranlagen im Sonnenstaat bewundert. Die Traube der Journalisten, die den Superstar der US-Politik zu jedem dieser Auftritte begleitet, ist noch größer als sonst. Der Terminator, der außer Tritt geriet, ist eine wunderbare Geschichte, auf die sich die US-Medien nur so stürzen. "Mr. Wonderful ist von seinem politischen Weg abgekommen", höhnt das Magazin "Newsweek".
Er wolle, dass es einmal von ihm heißt, "er hat den Saustall ausgemistet", hat Schwarzenegger dem SPIEGEL einmal seine Mission erläutert. 2005 ist das Jahr, in dem der Gouverneur den ehrgeizigen Plan in die Tat umsetzen will. Faule Lehrer rausschmeißen und die fleißigen belohnen, die Macht der Gewerkschaften brechen und den desaströsen Haushalt konsolidieren, das alles gehört zu seinen Zielen. Wenn das demokratisch dominierte Parlament nicht mitzieht, hat Arnie mit einer Volksbefragung gedroht.
Nur ist nicht einmal mehr sicher, ob der Außenseiter, den die Kalifornier im Herbst 2003 zu ihrem Gouverneur machten, noch einmal diese Unterstützung erhalten würde. Arnold Alois Schwarzenegger, dessen Umfragewerte noch vor Monaten in die politische Stratosphäre reichten, hat an Zustimmung verloren. Er sollte mehr mit dem von ihm so ungeliebten Parlament kooperieren, wollen 60 Prozent der Kalifornier und fast ebenso viele kritisieren inzwischen seine Amtsführung. Besonders schmerzhaft sind jene 50 Prozent die Schwarzenegger vorwerfen, er setze zu sehr auf PR- und effekthaschende Gimmicks.
Seine politische Verwundbarkeit versuchen Demokraten und Gewerkschaften auszunutzen, um die Reformpläne zu Fall zu bringen. "Dieser Gouverneur hat dem Staat den Krieg erklärt", wüten demokratische Abgeordnete, und wo immer Arnie öffentlich auftritt warten schon die Gegner: Feuerwehrleute, Polizisten und Krankenschwestern marschieren auf, bisweilen mit Särgen auf der Schulter und zum Klang eines Todesmarsches.
Über Schwarzeneggers Anwesen in Los Angeles wurde neulich ein Privatflieger gesichtet, als der gerade ein Abendessen für Freunde gab. Gut sichtbar für alle Gäste schleppte die Maschine ein Banner durch die Luft, auf dem die Reformpläne kritisiert wurden. Das ist nur der Anfang, droht die Lehrergewerkschaft, die für eine Kampagne 54 Millionen Dollar bei ihren Mitgliedern einwerben will.
Den unerwarteten Absturz hat sich Schwarzenegger zumindest teilweise selbst zuzuschreiben. Dass er im Dezember den Protest kalifornischer Krankenschwestern mit der Bemerkung abtat, dass sei eine jener Gruppen, die ihn nicht mögen, weil "er sie in den Arsch trete", fanden selbst Anhänger unglücklich. "Die Leute wollen einen Gouverneur und keinen Terminator", sagt der frühere Republikaner-Berater Allan Hoffenblum.
Seit vergangener Woche ist Arnie in neuen Schwierigkeiten, weil er Zeitungsjournalisten erklärte, er sei dafür, die Grenze zu Mexiko völlig dichtzumachen, um die illegale Einwanderung zu verhindern. Noch während des Interviews mühte sich seine entsetzte Pressesprecherin um Schadensbegrenzung, Schwarzenegger liebe Mexiko, er habe dort sogar drei Filme gedreht. Den Fehltritt hat der Einwanderer aus Österreich mit seinen mangelnden Englischkenntnissen entschuldigt: Er habe doch nur für bessere Kontrollen werben wollen, aber leider nicht das richtige Wort gefunden. Prompt empfahl die "Washington Post", Schwarzenegger solle vielleicht noch einmal zur Schule gehen, um seine Sprachkenntnisse aufzubessern.
Heillos zerstritten sollen Schwarzeneggers Berater inzwischen sein, was einen Weg aus der Krise nur noch schwerer macht. Das Kommando soll jetzt, "unglücklich und frustriert" über die Probleme des Gatten, Schwarzeneggers Frau Maria Shriver, übernommen haben. Die aus dem Kennedy-Clan stammende Gattin weiß seit Kinderbeinen wie rauh es in der Politik zugeht - und wie das Geschäft funktioniert.
Schon einmal hat ein Schauspieler in Kalifornien die Erfahrung gemacht, dass einem in der Politik gar nichts anderes übrig bleibt, als Politiker zu werden. Der Mann hieß Ronald Reagan und ist eines von Schwarzeneggers Vorbildern.