Serbien Milosevic wird in Belgrad bestattet
Den Haag - Slobodan Milosevic solle in der serbischen Hauptstadt eine "würdige Beisetzung" erhalten, sagte der Vize-Parteipräsident der Sozialisten, Milorad Vucelic, in Belgrad. Die Entscheidung sei nach Gesprächen mit Milosevics Familie gefallen. Auch der Anwalt der Familie, Zdenko Tomanovic, bestätigte, der ehemalige Präsident solle in Belgrad bestattet werden. Der Leichnam solle heute nach Serbien überführt werden.
Ein Vertreter von Milosevics Sozialistischer Partei (SPS) sagte im Staatsfernsehen RTS, er glaube, dass die gesamte Familie an der Beisetzung teilnehmen werde. Der SPS-Vertreter Milorad Vucelic rief die Bevölkerung auf, in großer Zahl an der Beisetzung teilzunehmen.
Bis zum Abend war noch unklar, wo Milosevic beigesetzt würde: Zwar hatte die serbische Justiz einen Haftbefehl gegen dessen Witwe Mira Markovic aufgehoben, aber ihre Rückkehr an eine Reihe harter Bedingungen geknüpft. So soll der 63-jährigen Witwe bei ihrer Einreise in Serbien der Pass abgenommen werden; außerdem musste sie eine Kaution von 10.000 Euro entrichten. Daraufhin hatte sie es zunächst vorgezogen, in Moskau zu bleiben und ihren Mann - vorübergehend - in der russischen Hauptstadt bestatten zu lassen.
Milosevics Sohn Marko holte den Leichnam seines Vaters gestern aus Den Haag und begleitete ihn in die Leichenhalle des Amsterdamer Flughafens Schiphol, wo der Sarg über Nacht bleiben sollte. Milosevic war am Samstag in seiner Gefängniszelle laut Autopsie an einem Herzinfarkt gestorben. Er war vor dem Haager Uno-Tribunal wegen Kriegsverbrechen angeklagt.
Dem früheren Präsident wurden insgesamt 66 Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo in den neunziger Jahren zur Last gelegt. Milosevic saß seit Juni 2001 im Hochsicherheitstrakt des Haager Tribunals. Der Prozess zog sich wegen langwieriger Verfahrensstreitigkeiten sowie wiederholter Krankheit des Angeklagten in die Länge.
lan/AP/AFP/dpa