Serbien Protest gegen deutschen Botschafter
Belgrad/Berlin - Anlass für die diplomatischen Verwerfungen sind Äußerungen von Botschafter Andreas Zobel während einer Diskussionsveranstaltung am Mittwoch. Laut dem unabhängigen Radiosender B92 hatte er dabei gesagt, das Kosovo müsse rasch unter internationaler Kontrolle in eine weitgehende Unabhängigkeit entlassen werden. Andernfalls könnten sich auch Probleme in der Wojwodina und im Sandschak entwickeln.
Die serbische Regierung schäumt: "Botschafter Zobel hat mehrmals die territoriale Integrität von Serbien und die Unverletzbarkeit seiner international anerkannten Grenzen in Frage gestellt", heißt es in einer heute veröffentlichten Erklärung. Er habe dadurch mangelnden Respekt für die Würde der serbischen Institutionen gezeigt. Boris Tadic verlangt laut, dass Deutschland sich von Zobels Äußerungen distanzieren solle. Das Auswärtige Amt teilte dazu in Berlin mit, die Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.
Zobel selbst erklärte in Belgrad, er wolle sich "ausdrücklich für möglicherweise mißverständliche Äußerungen und vor allem den Eindruck entschuldigen, dass ich es an Verständnis für mein Gastland hätte fehlen lassen". Er wolle außerdem klarstellen, dass er keineswegs die Auffassung vertrete oder vertreten habe, "dass es historische Ansprüche Ungarns bezüglich der Wojwodina gäbe beziehungsweise Ungarn beabsichtige, derartige Ansprüche geltend zu machen".
Der Botschafter führte weiter an, er habe auf Nachfragen von Diskussionsteilnehmern nur seine "rein persönliche Analyse" mitgeteilt und keinerlei Auffassung der Europäischen Union oder der Bundesregierung wiedergegeben. Er verwies darauf, dass sich die Bundesregierung und die EU bekanntermaßen für eine Statuslösung einsetzten, welche die berechtigten Interessen der Bevölkerung im Kosovo berücksichtige. Dieser Fall könne nicht auf andere Regionen in und außerhalb Europas übertragen werden.
Die Uno schlägt für die überwiegend von Albanern bevölkerte Provinz Kosovo weitgehende Unabhängigkeit unter internationaler Kontrolle vor. Serbien lehnt dies ab. Die Wojwodina ist eine autonome Provinz im Norden Serbiens, die bis zum Ersten Weltkrieg zu Österreich-Ungarn gehörte. In Sandzak im Süden von Serbien lebt eine starke Minderheit von Muslimen.
ler/AFP