Simbabwe Polizei stürmt Hauptquartier der Opposition
Harare - Razzia in Harare: Vier Wochen nach der Parlamentswahl drangen schwer bewaffnete Sondereinsatzkräfte in die Parteizentrale der oppositionellen Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) und in Büros unabhängiger Wahlbeobachter in Harare ein. Den Oppositionspolitikern zufolge beschlagnahmten die rund 250 Polizisten Wahlunterlagen und nahmen rund 300 Menschen fest - darunter Mitarbeiter, schwangere Frauen und Mütter mit kleinen Kindern.
Der stellvertretende Polizeichef Wayne Bvudzijena sagte, die Festgenommenen seien für Gewalttaten nach der Parlaments- und Präsidentenwahl am 29. März verantwortlich. Die Opposition berichtete, einige der Festgenommenen hätten in der Parteizentrale Zuflucht gesucht. "Ihre Häuser wurden niedergebrannt", sagte MDC-Vizepräsident Thokozani Khupe. "Einige wurden brutal niedergeschlagen." Die Polizei nahm nach Angaben der Partei auch Computer und Büroausstattung mit. MDC-Sprecher Nelson Chamisa sagte im südafrikanischen Rundfunk, er selbst habe sich durch einen Sprung aus dem Fenster in Sicherheit gebracht.
Politik der eisernen Hand
Auch unabhängige Wahlbeobachter meldeten Razzien in ihren Büros und erklärten, die Sicherheitskräfte hätten Unterlagen zur Stimmenauszählung mitgenommen. Der Vorsitzende der Organisation ZESN, Noel Kututwa, erklärte, die Polizei habe ihn und seinen Stellvertreter festnehmen wollen. Beide seien jedoch nicht im Büro gewesen. Kututwa erklärte, die Polizei wolle die ZESN einschüchtern, damit sie eine mögliche Stichwahl um das Präsidentenamt nicht beobachten könne. Er und sein Stellvertreter seien untergetaucht.
Die Opposition und Menschenrechtsgruppen haben dem Regime von Präsident Robert Mugabe vorgeworfen, nach der Niederlage bei der Wahl mit Gewalt gegen Anhänger der Opposition vorzugehen.
Eine offizielle Begründung für die Razzia gibt es bisher nicht. Im staatlichen Fernsehen hieß es jedoch in den vergangenen Tagen immer wieder, es habe "Rache-Attacken" von MDC-Anhängern gegen Mitglieder der Regierungspartei gegeben. Der Nachrichtensender BBC meldete, aus Polizeikreisen sei verlautet, die Aktion habe sich gegen Beteiligte an diesen Racheakten gerichtet. Laut Polizeisprecher Wayne Bvudzijena führten Sicherheitskräfte alle Menschen ab, die sich zum Zeitpunkt der Razzia in den Räumen der MDC-Parteizentrale aufhielten. "Wir verdächtigen einige von ihnen, in ländlichen Regionen Brände gelegt und sich dann in den Räumen (der MDC) versteckt zu haben", sagte er. Eine genaue Zahl der Festgenommenen nannte Bvudzijena nicht. Einem AFP-Journalisten zufolge wurden Dutzende Menschen in einem Bus ins Polizeikommissariat von Harare gebracht.
Die Opposition hat nach eigenen Angaben und nach Ansicht westlicher Regierungen die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen gewonnen. Die Regierung von Staatschef Robert Mugabe hat das Ergebnis der Präsidentenwahl aber noch immer nicht veröffentlicht - was Misstrauen und die Befürchtung von Wahlfälschungen schürt. Die Regierung Mugabes, der das Land seit 28 Jahren mit eiserner Hand regiert, will sich nicht geschlagen geben. Eine derzeit laufende Neuauszählung der Stimmen in 23 Wahlkreisen könnte dazu führen, dass Mugabes Partei Zanu-PF doch noch zum Wahlsieger erklärt wird.
ler/AP/dpa