Somalia-Einsatz "Das wird eine schnelle Aktion"
Washington/Hamburg - Es habe keine Empfehlungen an den Präsidenten gegeben, Somalia anzugreifen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Richard Boucher, nach Angaben der "Washington Post". Der Afrika-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, Winrich Kühne, ist sich sicher, dass die USA in Somalia anders als in Afghanistan vorgehen werden.
Kühne sagte gegenüber SPIEGEL ONLINE, wahrscheinlich sei, dass eine Sondertruppe der Amerikaner schnell zugreifen werde, sobald es Hinweise auf Terroristen gebe.
Vermutlich sei die CIA schon im Land und hätte auch schon Leute parat. "Somalia ist vollkommen anders als Afghanistan. Wenn die Amerikaner zugreifen, dann wird das eine schnelle Aktion." Somalia sei ein zerfallender Staat, eine funktionierende Regierung nicht vorhanden. Entsprechend könne auch nicht über die Herausgabe von Terroristen verhandelt werden, wie es in Afghanistan anfangs noch geschehen sei.
Nach Einschätzung Kühnes wollen die USA ein militärisches Engagement in Somalia auf jeden Fall vermeiden. Zu schlecht seien die Erinnerungen an 1993. Damals waren US-Truppen im Zuge einer Uno-Aktion einmarschiert. 18 Soldaten wurden in Kämpfen mit Milizen des somalischen Generals Aidid getötet. Die Supermacht zog sich zurück.
Bin Laden vermutlich nicht in Somalia
Mit den Aufklärungsflügen versuchen die Amerikaner nun herauszubekommen, an welchen Stützpunkten der Terroristen es Bewegung gibt. Dass sich Terroristen in dem Land am Horn von Afrika befinden, sei so gut wie sicher, so Winrich Kühne. In Somalia sei allerdings eher mit Kämpfern der fundamentalistischen Organisation al-Ittihad al-Islami zu rechnen.
Hochstehende al-Qaida-Kämpfer oder sogar Bin Laden vermutet der Afrika-Experte nicht dort. "Das Land steht zu sehr unter Beobachtung der Amerikaner. Es würde mich doch sehr wundern, wenn Anführer der Terroristen dorthin geflüchtet wären." Mit den Aufklärungsflügen und auch der Präsenz der deutschen Kriegsschiffe soll jedenfalls verhindert werden, dass neue Terroristen ins Land kommen und die Kämpfer sich dort formieren können.