Somalia-Krise Gefürchteter Warlord legt Waffen nieder
Mogadischu - Es ist ein kleiner, aber wichtiger Fortschritt auf dem Weg zum Frieden im krisengeschüttelten Somalia. Einer der meistgefürchteten Kriegsherren des Landes hat heute seine Waffen der Regierung übergeben. Mohammed Dheere habe bei einer Übergabezeremonie in Jowhar 23 Lastwagen voller schwerer Waffen abgeliefert, berichtete Regierungssprecher Abdirahman Dinari. Zudem habe Dheere mehr als 200 seiner Milizionäre angewiesen, sich den Regierungstruppen anzuschließen.
Die schwache Übergangsregierung ist auf die Unterstützung der Clan-Ältesten und einstigen Warlords in dem zersplitterten Land am Horn von Afrika angewiesen. Auch nach dem Zurückdrängen der islamistischen Milizen, die bis Ende 2006 weite Teile Südsomalias kontrollierten, hat die Regierung nur beschränkten Einfluss und wird immer wieder Ziel von Angriffen. Bewaffnete griffen am Freitagabend den Präsidentenpalast mit Granaten an und lieferten sich ein 30-minütiges Gefecht mit Regierungstruppen. Äthiopische und somalische Soldaten riegelten die Gegend ab. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht.
Äthiopien griff an Weihnachten an der Seite der somalischen Regierung offen in den Konflikt mit den Islamisten ein und hat Truppen in das Nachbarland entsandt. Bei einem Angriff auf einen Konvoi äthiopischer Truppen in der Hauptstadt Mogadischu wurden heute vier unbeteiligte Personen getötet und drei verletzt. Die Angreifer feuerten mit leichten Maschinengewehren und Granaten auf die Fahrzeuge, verfehlten sie aber laut Augenzeugenberichten. Die Äthiopier hätten daraufhin mit schweren Waffen um sich geschossen und mehrere Passanten getroffen. Zu beiden Angriffen bekannten sich die islamischen Kämpfer.
Ein Sprecher des Rats Islamischer Gerichte erklärte, die Gruppierung werde weiter gegen die äthiopischen Truppen in Somalia kämpfen und dabei Guerillataktiken einsetzen. Der Friedens- und Sicherheitsrat der Afrikanischen Union beschloss unterdessen am Freitag die Entsendung 8000 afrikanischer Soldaten als Friedenstruppe nach Somalia. Die sogenannte AMISOM-Mission sei auf sechs Monate angelegt, erklärte der Vorsitzende des Rats, Said Djinnit. Anschließend solle die Verantwortung für die Stabilisierung an die Vereinten Nationen übergehen.
Zugleich rief der Rat die internationale Gemeinschaft zur Hilfe bei der Finanzierung der Mission auf. Ein Termin für den Beginn der Mission wurde nicht genannt, doch sollten die UN nach Möglichkeit von Anfang an daran beteiligt sein, sagte Djinnit. Ein Problem sei, dass die Mitgliedstaaten der AU bislang keine Soldaten zugesagt hätten. Lediglich Uganda hat die Entsendung von 1500 Mann angeboten, doch hat das Parlament dem bislang nicht zugestimmt.
bor/AP