Spanien droht Marokko mit Gewalt Der mickrige Stein des Anstoßes
Hamburg - Das unbewohnte Mittelmeer-Inselchen Perejil ist den Spaniern offenbar so viel wert, dass sie Marokko offen mit Gewalt drohen. "Wir lassen uns nicht vor vollendete Tatsachen stellen", warnte Ministerpräsident José María Aznar im Parlament in Madrid. Marokko müsse seine Soldaten von dem besetzten Felseneiland abziehen. Der für Sicherheitspolitik zuständige Staatssekretär Pedro Morenés sagte: "Wenn es nötig ist, verzichten wir auf kein legitimes Mittel."
Die Nato zeigt sich über die Entwicklung besorgt. "Wir sehen dies als einen unfreundlichen Akt der marokkanischen Seite an", sagte ein Sprecher des Verteidigungsbündnisses am Montag in Brüssel, nachdem Spaniens Botschafter in einem Gespräch mit Generalsekretär George Robertson die Lage erläutert hatte. Die Nato habe bisher keine Anfrage nach einem militärischen Eingreifen erhalten. Das Bündnis unterstütze Spaniens Wunsch, den Konflikt mit diplomatischen Mitteln beizulegen. Auch die EU fordert den Rückzug Marokkos.
Marokkos Außenminister Mohammed Benaissa lässt sich von den leisen Drohungen aus Madrid anscheinend nicht beeindrucken. Sein Land werde den Felsen nicht verlassen, sagte er in Rabat. Benaissa wiederholte die Haltung seiner Regierung, das seit Donnerstag von Soldaten besetzte Eiland sei marokkanisch. Sein Land wolle dort einen ständigen Überwachungsposten im Kampf gegen Terroristen und Schlepperbanden in der Meerenge von Gibraltar einrichten. "Wenn wir uns auf den Dialog beschränken, wird es keine Eskalation der Spannungen geben." Die Entsendung spanischer Kriegsschiffe sei übertrieben. Rabat fühle sich weiterhin dem Freundschaftsabkommen mit Spanien aus dem Jahre 1991 verpflichtet.
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Tatsächlich gibt es seit geraumer Zeit Unstimmigkeiten zwischen Madrid und Rabat. Marokko zog vergangenen Oktober überraschend seinen Botschafter aus Madrid ab. Die beiden Länder streiten sich schon lange über illegale Migration, den Drogenhandel und die Fischereirechte. Möglicherweise ist die Besetzung der Insel auch als Antwort auf ein spanisches Marinemanöver vor der Küste Marokkos zu verstehen, gegen das Rabat vergangene Woche heftig protestiert hatte.
Völkerrechtlich ist allerdings nicht geklärt, wem die in Marokko "Leila" genannte, 150.000 Quadratmeter große Insel gehört. Marokko betrachtet Perejil, auf deutsch Petersilien-Insel, seit seiner Unabhängigkeit von Spanien und Frankreich im Jahr 1956 als zu seinem Staatsgebiet gehörig. Sie war Spanien 1668 zugesprochen worden.
Auf der unbewohnten steinigen Insel fristen ein paar Ziegen ihr Dasein. Ein Sprecher der Regierung in Rabat sagte, der Militärposten auf der Insel sei errichtet worden, um den Schmuggel und die illegale Immigration zu bekämpfen. Die Höhlen dort, sagte er, seien ein beliebtes Versteck für Haschisch-Schmuggler.
Die spanische Außenministerin Ana Palacio warnte Marokko davor, angesichts der Krise um Perejil eine Debatte über die Exklaven Ceuta und Melilla zu entfachen. Beide Besitzungen gehören seit 500 Jahren zu Spanien. Rabat fordert seit jeher die Rückgabe der beiden Städte mit zusammen rund 130.000 Einwohnern. "Da gibt es nichts zu diskutieren", sagte Palacio.
Die verbalen Drohungen seitens der Spanier werden begleitet von einer Verstärkung der Militärpräsenz vor Marokko. Bisher sind die beiden mit Boden-Luft-Raketen bestückten Fregatten "Navarra" und "Numancia" im Hafen der spanischen Nordafrika-Exklave Ceuta eingelaufen. Eine dritte Fregatte, die "Baleares", sei in die Meerenge von Gibraltar entsandt worden, berichtete die spanische Presse. Vom Hafen der Exklave Melilla liefen am Montag zudem zwei spanische Korvetten zu Manövern vor der Küste des nordafrikanischen Landes aus.
Die fünf Kriegsschiffe haben eine Besatzung von etwa 800 Mann. Das Gebiet wird überdies weiter von Hubschraubern vom Typ "Cougar" überflogen.