Spionage-Flugzeug Chinesen lenken ein
Peking/Washington - Ein hochrangiger chinesischer Offizier hat angekündigt, dass US-Diplomaten unverzüglich Zugang zu der in China festgehaltenen Crew des dort notgelandeten Spionage-Flugzeugs erhalten werden. Das berichtete der australische Außenminister Alexander Downer vor Reportern in Canberra. Der genannte Offizier, General Zhang Wannian, ist stellvertretender Vorsitzender der Zentralen Chinesischen Militärkommission und befindet sich derzeit auf Besuch in Australien.
"Er hat mir mitgeteilt, dass China in Übereinstimmung diplomatischer Regeln sofort diplomatischen Zugang zu den Amerikanern erlauben wird, und dass diese Angelegenheit mit diplomatischen Mitteln gelöst werden wird", berichtete Downer nach dem Treffen mit Zhang. Das US-Flugzeug mit 24 Mann an Bord war am Sonntag auf der Insel Hainan notgelandet, nachdem es mit einem chinesischen Kampfflugzeug kollidiert war.
China will Spionage-Flugzeug inspizieren
Die chinesische Regierung hat nach eigener Ansicht ein Recht dazu, das in China notgelandete US-Aufklärungsflugzeug zu inspizieren. Das sagte der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhu Bangzao. Dieses Recht basiere auf chinesischen Gesetzen und internationalen Gepflogenheiten, sagte er. Zhu machte keine Angaben darüber, ob Vertreter der chinesischen Streitkräfte das Flugzeug bereits betreten haben. Die amerikanische Haltung, die Maschine sei durch internationales Recht vor einer Inspektion durch die chinesischen Behörden geschützt, wies Zhu zurück. "Wenn dieses Flugzeug souveränes amerikanisches Territorium darstellt, wie landete es dann in China?", sagte er.
Washington macht Druck
US-Präsident George W. Bush forderte die "unverzügliche und sichere Rückkehr" der Besatzung. Er sei bestürzt, dass China amerikanischen Diplomaten den Kontakt mit der Crew verweigert habe, sagte Bush. Die chinesische Haltung verstoße gegen "die übliche diplomatische Praxis". Außerdem forderte Bush die Rückgabe des mit zahlreichen hochmodernen Instrumenten ausgerüsteten US-Flugzeugs. Die USA beorderten drei Zerstörer in die Nähe der Insel Hainan, wo das Flugzeug am Sonntag notgelandet war.
Nach amerikanischen Angaben hat die Besatzung der EP-3 kurz nach dem Zusammenstoß noch zwei Nachrichten gesendet. In der ersten hieß es demnach, bei der Kollision sei niemand zu Schaden gekommen, in der zweiten sei die sichere Landung auf Hainan gemeldet worden. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld bestätigte, dass die Besatzung unverletzt sei.