Spionageaffäre US-Crew fliegt nach Hause
Washington/Haiku - US-Außenminister Colin Powell, der sich zurzeit in Paris aufhält, erklärte, er sei über die Freilassung "sehr erfreut". In der Nacht hatte die Crew mit einem Charterflugzeug die südchinesische Insel Hainan verlassen. Nach kurzem Aufenthalt auf der amerikanischen Pazifikinsel Guam flogen die 21 Männer und drei Frauen weiter nach Hawaii. Nach einem geplanten zweitägigen Stopp zur Einsatzbesprechung soll die Besatzung dann am Samstag im US-Staat Washington offiziell willkommen geheißen werden.
China hatte am Mittwoch die Freilassung angekündigt, nachdem Washington in einem Brief großes Bedauern über den Vorfall geäußert hatte. China hatte jedoch ursprünglich eine offizielle Entschuldigung verlangt. Dennoch trug die staatliche Zeitung "Beijing Chibao" am Donnerstag die Schlagzeile: "Die USA entschuldigen sich endlich".
Bush zufrieden
Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, verfolgte Präsident George W. Bush den Abflug der Crew von Hainan an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One auf dem Rückflug von North Carolina nach Washington. Er habe der Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice zu den erfolgreichen Verhandlungen mit China gratuliert. "Unser Team hat den ersten Zwischenfall nicht zu einer Krise werden lassen", lobte der Präsident. Bereits in North Carolina war Bush bei öffentlichen Auftritten begeistert gefeiert worden.
China feiert Sieg
In China wurde die Einigung im Tauziehen um die Amerikaner als ein "Sieg" im Kampf gegen die Vormachtspolitik der USA gefeiert. Die chinesische Regierung und das Volk hätten die Regierung in Washington zu einer Abkehr von ihrer "anfänglichen unverschämten und unangemessenen Haltung" gezwungen, kommentierte die "Volkszeitung" (Renmin Ribao), das kommunistische Parteiorgan.
Mit der Freilassung der Crew ist der Zwischenfall jedoch noch nicht beigelegt. Die USA bestehen weiter auf der Rückgabe des havarierten Aufklärungsflugzeugs. Delegationen beider Seiten wollen sich am 18. April treffen, um über die Ursachen des Vorfalls, die künftige Vermeidung solcher Kollisionen sowie die Rückgabe des Flugzeuges zu sprechen.