Spionagefall: China will US-Crew freilassen - DER SPIEGEL
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Spionagefall China will US-Crew freilassen

Im Streit zwischen den USA und China zeichnet sich ein Ende ab. Die Regierung in Peking will die Besatzung der notgelandeten Spionagemaschine auf freien Fuß setzen.
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Washington/Peking - Nach den Worten von US-Präsident George W. Bush werden die seit elf Tagen in China festgehaltenen 24 Amerikaner "unverzüglich" freigelassen. Dies habe die chinesische Regierung dem amerikanischen Botschafter in Peking zugesichert, sagte Bush am Mittwoch in Washington.

Auch nach Angaben des chinesischen Außenministeriums dürfen die Amerikaner "sehr bald" heim. Die Crew des Aufklärers könne das Land nach den "notwendigen Formalitäten" verlassen, berichtete am Mittwoch das staatliche chinesische Fernsehen. Auf dem Luftwaffenstützpunkt auf Guam im Pazifik steht ein amerikanisches Flugzeug bereit, um die Besatzung zunächst nach Hawaii zu bringen.

US-Botschafter Joseph Prueher hatte im chinesischen Außenministerium einen Brief übergeben, in dem es laut der Nachrichtenagentur Xinhua heißt, US-Präsident George W. Bush und Außenminister Colin Powell tue der Zwischenfall "sehr leid". Beide bedauerten sehr, dass dass das chinesische Flugzeug nach der Kollision mit dem amerikanischen Spionageflugzeug abgestürzt sei. Auch äußerten sie ihr "aufrichtiges Bedauern" für den Tod des chinesischen Piloten.

Außenminister Tang Jiaxuan sagte, angesichts dieser Entschuldigung habe die Regierung entschieden, dass die Amerikaner "aus humanitären Überlegungen" China verlassen dürften, auch wenn der Fall für Peking noch nicht erledigt sei.

Noch bis zum Morgen hatte zwischen beiden Kontrahenten Funkstille geherrscht. Die USA seien jedoch jederzeit zu neuen Gesprächen bereit, hatte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Washington erklärt.

Zemin gab sich zuversichtlich

Der chinesische Präsident Jiang Zemin hatte zuvor während seines Staatsbesuches in Uruguay gesagt: "Wir müssen eine Lösung finden, und die mit den Verhandlungen betrauten Vertreter meines Landes haben mein volles Vertrauen und werden sicher eine Lösung finden."

Die USA hatten Peking neue Vorschläge für eine gemeinsame Erklärung übermittelt, mit der der Konflikt beendet werden soll. Die Crew des US-Flugzeugs wird seit der Notlandung auf der Insel Hainan von China festgehalten. Die 21 Männer und drei Frauen dürfen inzwischen regelmäßig von Diplomaten besucht werden.

USA wartet auf Bewegung Chinas

"Wir haben klar gemacht, dass wir alles getan haben, was wir konnten", sagte ein Regierungsbeamter am Dienstag in Washington. Es sei an der chinesischen Seite, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Die Diplomatie braucht manchmal etwas länger, als einem lieb ist", sagte US-Präsident George W. Bush. Je länger der Konflikt andauere, desto größer sei aber der mögliche Schaden für die bilateralen Beziehungen.

Am vergangenen Montag boykottierten amerikanische Regierungsbeamte auf Anweisung von Außenminister Colin Powell einen Empfang der chinesischen Botschaft in Washington. Außenamtssprechers Richard Boucher sagte, der Minister habe klar gemacht, dass er eine Teilnahme an dem Empfang für "unangebracht" halte. Ein Angebot von US-Bürgerrechtler Jesse Jackson, sich in Peking für die Freilassung der Amerikaner einzusetzen, habe Powell abgelehnt, berichtete der Nachrichtensender CNN.

Das mit moderner Spionagetechnik ausgerüstete US-Flugzeug musste am 1. April auf der südchinesischen Insel Hainan notlanden, nachdem es zu einer Kollision mit einem von zwei chinesischen Abfangjägern gekommen war.