Stichwort Sierra Leone
In dem zu den ärmsten Staaten der Welt zählenden westafrikanischen Sierra Leone tobt seit 1991 ein blutiger Bürgerkrieg. Das Land ist mit fast 72.000 Quadratkilometern doppelt so groß wie Baden-Württemberg und hat rund fünf Millionen Einwohner.
Ehemals Protektorat und Kronkolonie der Briten, ist Sierra Leone seit 1961 unabhängig. Seither verstärkten sich die Konflikte zwischen den seit 1787 von den Briten vor allem in der heutigen Hauptstadt Freetown angesiedelten befreiten Sklaven aus Amerika und der eingeborenen Urbevölkerung. Der Einfluss der Sklaven- Nachfahren, die unter der britischen Herrschaft zu einer gebildeten Bevölkerungsgruppe wurden und in Spitzenstellungen saßen, wurde allmählich zurückgedrängt.
Nach mehreren Putschen etablierte sich ein Einparteisystem. Erst 1991 wurden mit einer neuen Verfassung wieder Oppositionsparteien zugelassen. Mit seiner Einmischung in den Bürgerkrieg im Nachbarland Liberia verstärkte Sierra Leone Anfang der neunziger Jahre die Konflikte im eigenen Land.
Einer hauptsächlich von Nigerianern gestellten westafrikanischen Friedenstruppe (Ecomog) gelang es nicht, die mit äußerster Grausamkeit gegen die Zivilbevölkerung wütende Guerilla-Organisation Revolutionäre Vereinigte Front (RUF) zu besiegen. Mehrfach gab es Ansätze zur Versöhnung zwischen der Regierung und der RUF; 1996 und 1999 wurden Friedensabkommen geschlossen. Sie hielten aber jeweils nur kurze Zeit. Auch der Versuch des gewählten Staatschefs Ahmed Tejan Kabbah, das Land gemeinsam mit dem Rebellenführer Foday Sankoh zu regieren, der nach einem Putsch inhaftiert und im Oktober 1998 zum Tode verurteilt worden war, brachte keinen Frieden.
Ursache für den seit neun Jahren andauernden Bürgerkrieg sind persönliche Machtgelüste der Rebellenführer und die Kontrolle über die einträglichen Diamantenminen des Landes. Die Bevölkerung beklagt zehntausende von Toten und grausam Verstümmelten. Eine halbe Million Menschen ist in die Nachbarstaaten Guinea und Liberia geflohen; eine Million ist im Lande selbst auf der Flucht.